Heidenreich und das ZDF

Beim Wort genommen

Von Michael Hanfeld

Entschärfung der eigenen Kritik: Elke Heidenreich

Entschärfung der eigenen Kritik: Elke Heidenreich

17. Oktober 2008 Auf die Vorwürfe, welche die Kritikerin und Moderatorin Elke Heidenreich anlässlich der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises gegen die Veranstaltung, die Behandlung Marcel Reich-Ranickis, das Fernsehen und besonders das ZDF in dieser Zeitung gerichtet hat (siehe: Elke Heidenreich: Reich-Ranickis gerechter Zorn), hat der Intendant des Senders, Markus Schächter, jetzt mit einem Brief reagiert.

In diesem Brief teilt er ihr mit, dass sein Unverständnis über die Aggressivität, in der Elke Heidenreich die Kritik vorgetragen habe, andauere. Er teile die Kritik nicht und vermöge auch nicht zu erkennen, dass Marcel Reich-Ranicki in demütigender Weise behandelt worden sei. Das Vertrauen, das zwischen dem Sender, in dessen Programm Heidenreichs Literatursendung „Lesen!“ läuft, über Jahre entstanden sei, habe Schaden genommen, meint Schächter. Die verletzende Sprache der Kritikerin wolle er nicht akzeptieren, den Mitarbeitern gehe es genauso. Allenthalben herrsche „die Auffassung, dass diejenige, die sich für das ZDF schämt, nicht gezwungen werden sollte, für dieses weiter zu arbeiten – erst recht nicht als privilegierte, exponierte Moderatorin einer Büchersendung. Bitte erwarten Sie von mir nicht, dass ich versuchen werde, Sie umzustimmen.“

Weiterarbeit nur bei einem besseren Sendetermin

Elke Heidenreich sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass, wenn sich jemand für etwas schäme, dies doch zeige, dass es ihm sehr viel wert sei. „Ich würde sehr gerne für das ZDF weiterarbeiten. Das ändert aber nichts daran, dass ich weiterhin das Programm kritisieren können will und mir einen bessere Sendeplatz wünsche.“ Seit einem Jahr verhandele sie mit dem Sender – vergebens. „Wenn ich keinen besseren Sendetermin bekomme“, sagte sie der F.A.Z., „dann höre ich auf.“

Die Vereinbarung zwischen Elke Heidenreich und dem ZDF über die Sendung „Lesen!“ gilt jeweils für zwölf Monate. Für dieses Jahr sind noch zwei Ausgaben von „Lesen!“ geplant. Als Gast der Sendung im Dezember war Thomas Gottschalk eingeladen, am vergangenen Sonntag – nach dem Eklat beim Fernsehpreis – sagte er ab und gab dafür Termingründe an.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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