06. Februar 2007 Nach der Entscheidung: Die designierte Christiansen-Nachfolgerin Anne Will spricht im Interview über ihre Pläne, ihre Vorgängerin, ihre Konkurrenten Plasberg und Maischberger und ihren Tagesthemen-Abschied.
Frau Will, Sie übernehmen die wichtigste politische Talksendung im deutschen Fernsehen. Was dachten Sie, als man Ihnen die Sache angetragen hat?
Als ich gefragt wurde, habe ich gesagt, dass ich mir das absolut vorstellen kann. Und jetzt, da die Entscheidung der Intendanten kenne, darf ich sagen, dass ich mich sehr freue: Das ist eine große Chance und ein riesiger Vertrauensbeweis.
Hatten Sie damit gerechnet, dass Günther Jauch der ARD absagen würde?
Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Vereinbarung zwischen der ARD und Günther Jauch noch einmal platzt. Als ich gefragt wurde, war ich sehr überrascht. Aber ich konnte ohne langes Nachdenken sagen: Ich kann mir vorstellen, die Nachfolge von Sabine Christiansen anzutreten.
Ihre Sendung trifft auf hohe Erwartungen. Was nehmen Sie sich vor?
Ich habe mir vorgenommen, eine aktuelle gesellschaftspolitische Gesprächsrunde anzubieten. Eine Runde, die Themen aufgreift und die Themen setzt. Eine Talkshow, die relevant ist. Das wird in mancher Hinsicht eine Weiterentwicklung dessen sein, was Sabine Christiansen erfolgreich vorgelegt hat. Aber ich werde meinen eigenen Stil finden müssen und - ich werde ihn finden.
Sie moderieren die Tagesthemen. Mit Ihrem Fragestil prägen Sie die ARD-Nachrichten. Verlassen Sie die ARD-Aktuell-Redaktion in Hamburg mit einem lachenden oder einem weinenden Auge?
Das muss ich zugeben: Die Tagesthemen zu verlassen fällt mit schwer. Ich verlasse eine hervorragende Redaktion, mit der ich sehr gerne zusammengearbeitet habe. Insofern gehe ich mit einem weinenden Auge. Aber dann bleibt ja noch eins.
Sie standen in Konkurrenz zu Frank Plasberg und Sandra Maischberger. Es war ein Wettstreit zwischen Personen und Sendern. Wie haben Sie den empfunden?
Ich habe mir gedacht, dass ich in einem fairen Wettbewerb in der ersten Liga antrete. Man muss sich ja wirklich nicht schämen, mit Frank Plasberg und Sandra Maischberger gefragt zu sein. Und dann habe ich sehr gelassen abgewartet, wie die Intendanten entscheiden würden. Aber ich war natürlich in einer komfortablen Lage, denn ich hätte auch sehr gerne die Tagesthemen weitergemacht. Das ist, was man neudeutsch eine win-win-Sitaution nennt.
Die Fragen stellte Michael Hanfeld.
Text: F.A.Z., 06.02.2007, Nr. 31 / Seite 42
Bildmaterial: AP