18. März 2008 Dieses Angebot vom Spiegel nehme ich gerne an, heißt es in der Werbung, mit welcher der ZDF-Moderator Claus Kleber diese Woche für das Projekt Spiegel Wissen auftritt. Die Ironie des Slogans ist schlagend, hatte Kleber doch im vergangenen Jahr das Angebot abgewiesen, Chefredakteur des Spiegels zu werden. Die Sache ist also nicht ohne Witz, sie hat aber einen Haken: Das ZDF und Kleber haben den Werbeauftritt nicht genehmigt. Das sei schon ungewöhnlich heißt es auf Anfrage beim Sender. Zwischen Schmunzeln und Irritation bewege sich die Gemütslage an der Spitze des ZDF.
Doch es ist nicht nur Schmunzeln, müssen Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Werbung doch genehmigen lassen. Und ein Plazet hat Kleber nicht erteilt, nicht der für ihn zuständige Chefredakteur Nikolaus Brender und auch der Sender selbst nicht. Ganz genau spielte sich die Sache nach Darstellung von Kleber und Brender wie folgt ab: Vor geraumer Zeit trat der Spiegel an den Moderator mit dem Ansinnen heran, für Spiegel Wissen zu werben.
Zerknirschte Entschuldigung
Kleber fand den Slogan witzig, gab aber zu bedenken, dass so etwas der Chefredakteur genehmigen müsse. Der überlegte eine Weile und lehnte die Geschichte dann ab. Beim Spiegel aber hatte man vergessen, auf das Plazet zu warten. Und so war man am Sonntag beim ZDF bass erstaunt über die Werbung auf Seite 177 des Spiegels - prominent plaziert, genau dem Impressum gegenüber. Kleber funkte gleich nach Hamburg, die Werbung müsse gestoppt werden, am Montag kam per E-Mail die zerknirschte Entschuldigung.
Man habe die Anzeige in der Tat ohne die Genehmigung von Kleber gedruckt, heißt es auf Anfrage beim Spiegel. Der ZDF-Chefredakteur Brender - von dem der Grundsatz überliefert ist ein Journalist wirbt nicht - kommentiert spitz, der Spiegel habe die Werbung wider besseres Wissen gebracht. Doch wissen Spiegel-Leser nicht angeblich sowieso immer mehr? Ein Honorar gibt es für die Geschichte nicht, dafür eine Spende an die Rory-Peck-Stiftung, ein gemeinnütziges Journalistenhilfswerk. Die Anzeigenkampagne wird sofort gestoppt, nur in der Zeit erscheint Kleber für den Spiegel am Donnerstag noch einmal.
Text: F.A.Z., 19.03.2008, Nr. 67 / Seite 40
Bildmaterial: dpa
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