Claus Kleber

Mann im „Spiegel“

Von Michael Hanfeld

Überrraschungsauftritt: Claus Kleber warb ungewollt für den “Spiegel“

Überrraschungsauftritt: Claus Kleber warb ungewollt für den "Spiegel"

18. März 2008 „Dieses Angebot vom Spiegel nehme ich gerne an“, heißt es in der Werbung, mit welcher der ZDF-Moderator Claus Kleber diese Woche für das Projekt „Spiegel Wissen“ auftritt. Die Ironie des Slogans ist schlagend, hatte Kleber doch im vergangenen Jahr das Angebot abgewiesen, Chefredakteur des „Spiegels“ zu werden. Die Sache ist also nicht ohne Witz, sie hat aber einen Haken: Das ZDF und Kleber haben den Werbeauftritt nicht genehmigt. Das sei schon „ungewöhnlich“ heißt es auf Anfrage beim Sender. „Zwischen Schmunzeln und Irritation“ bewege sich die Gemütslage an der Spitze des ZDF.

Doch es ist nicht nur „Schmunzeln“, müssen Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Werbung doch genehmigen lassen. Und ein Plazet hat Kleber nicht erteilt, nicht der für ihn zuständige Chefredakteur Nikolaus Brender und auch der Sender selbst nicht. Ganz genau spielte sich die Sache nach Darstellung von Kleber und Brender wie folgt ab: Vor geraumer Zeit trat der „Spiegel“ an den Moderator mit dem Ansinnen heran, für „Spiegel Wissen“ zu werben.

Zerknirschte Entschuldigung

Kleber fand den Slogan witzig, gab aber zu bedenken, dass so etwas der Chefredakteur genehmigen müsse. Der überlegte eine Weile und lehnte die Geschichte dann ab. Beim „Spiegel“ aber hatte man vergessen, auf das Plazet zu warten. Und so war man am Sonntag beim ZDF bass erstaunt über die Werbung auf Seite 177 des „Spiegels“ - prominent plaziert, genau dem Impressum gegenüber. Kleber funkte gleich nach Hamburg, die Werbung müsse gestoppt werden, am Montag kam per E-Mail die zerknirschte Entschuldigung.

Man habe die Anzeige in der Tat ohne die Genehmigung von Kleber gedruckt, heißt es auf Anfrage beim „Spiegel“. Der ZDF-Chefredakteur Brender - von dem der Grundsatz überliefert ist „ein Journalist wirbt nicht“ - kommentiert spitz, der „Spiegel“ habe die Werbung „wider besseres Wissen“ gebracht. Doch wissen „Spiegel“-Leser nicht angeblich sowieso immer „mehr“? Ein Honorar gibt es für die Geschichte nicht, dafür eine Spende an die Rory-Peck-Stiftung, ein gemeinnütziges Journalistenhilfswerk. Die Anzeigenkampagne wird sofort gestoppt, nur in der „Zeit“ erscheint Kleber für den „Spiegel“ am Donnerstag noch einmal.

Text: F.A.Z., 19.03.2008, Nr. 67 / Seite 40
Bildmaterial: dpa

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