Betrug im Fernsehen?

Medienaufsicht prüft 9Live-Anrufspiele

Von Michael Hanfeld

Bei Anruf Geldsegen? 9Live steht in der Kritik

Bei Anruf Geldsegen? 9Live steht in der Kritik

18. Mai 2007 Die Medienaufsicht hat Grund, sich mit dem Anrufsender 9live zu befassen. Denn ein im Internet aufgetauchter Mitschnitt einer 9Live-Show vom vergangenen Sonntag, auf den der Mediendienst DWDL.de verweist, wirft Fragen auf. Das Video könnte Angaben ehemaliger 9Live-Mitarbeiter bestätigen, wonach der sogenannte „Hot Button“ bei den Anrufspielen kein Zufallsmechanismus ist, sondern erst einsetzt, wenn eine gewisse Zahl von Anrufen vorliegt.

Auf dem Video ist - mutmaßlich aufgrund einer Ton-Panne - ein Satzfetzen zu hören, in dem die Moderatorin Alida Lauenstein sagt: „noch ein bisschen mitzunehmen. Lasst das doch Max übernehmen. Bei solchen Peaks, schlagt doch später zu.“

„Keine Relevanz für den inhaltlichen Verlauf“

Mit „Peaks“ ist die Anzahl der kostenpflichtigen Anrufe gemeint, mit denen sich der Sender finanziert, Max könnte der Kollege Max Schradin sein, der die nachfolgende Sendung präsentierte. Auf Nachfrage von DWDL, was das zu bedeuten habe, zog sich 9Live darauf zurück, die Aussage der Moderatorin habe „keine Relevanz für den technischen und inhaltlichen Verlauf der Sendung“.

Man stelle sicher, dass für Anrufer „jederzeit die Chance besteht, ausgewählt und ins Studio gestellt zu werden“. Die Medienaufsicht gibt sich damit nicht zufrieden. Die Programmprüfer kennen den Fall, wie FAZ.NET auf Nachfrage bestätigt wurde, seit letztem Mittwoch und werden 9Live Fragen stellen. In der nächsten Woche sei mit einem Ergebnis der Prüfung zu rechnen.

Der „Hot Button“ unter Beschuss

9Live steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Dass der „Hot Button“ nur mit Zufall zu tun hat, durfte man schon nach einem „Plusminus“-Bericht der ARD vom 8. Mai bezweifeln. Dort hatten einstige 9Live-Mitarbeiter gesagt, für den Zuschlag des „Hot Buttons“ sei auch die Zahl der Anrufer entscheidend. 9Live bestritt die Vorwürfe.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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