Medien

Steigt Axel Springer bei Premiere ein?

Der Springer-Verlag sucht die zweite Chance

Der Springer-Verlag sucht die zweite Chance

04. September 2006 Der Großverlag Axel Springer hat seine Expansionspläne im deutschen Fernsehmarkt nach der zu Jahresanfang gescheiterten Übernahme von Pro Sieben Sat.1 nicht aufgegeben.

Im Umfeld des größten deutschen Zeitungshauses ist übereinstimmend zu hören, Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner habe bereits im Frühjahr einen Schulterschluß mit dem angeschlagenen Münchner Bezahlfernsehsender Premiere erwogen. „Das wurde durchgespielt, Döpfner ist weiter auf einen großen Deal in Deutschland aus“, heißt es. Die Pläne sind offenbar weiter aktuell: „Springer hat das Thema noch nicht ad acta gelegt“, verlautet aus Branchenkreisen.

Keine Stellungnahme der Unternehmen

Gelingt Springer-Chef Döpfner der Traum vom Fernsehen im zweiten Anlauf?

Gelingt Springer-Chef Döpfner der Traum vom Fernsehen im zweiten Anlauf?

Das Vorhaben dürfte allerdings in einem sehr frühen Stadium sein. Ob es verwirklicht wird, ist deshalb offen. Beide Unternehmen lehnten Ende vergangener Woche auf Anfrage eine Stellungnahme ab. „Wir äußern uns nicht zu Spekulationen“, sagte eine Springer-Sprecherin. Premiere ist seit Monaten das Objekt von Übernahmegerüchten, seit der Sender im Dezember die Bundesliga-Fernsehrechte an den neuen Rivalen Arena verloren hat.

Der Aktienkurs des Unternehmens, der schon seit dem Börsengang im Frühjahr 2005 nachgegeben hatte, ist seit Ende vergangenen Jahres um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Das könnte Interessenten anlocken. Größter Premiere-Aktionär ist mit einem Anteil von 13,9 Prozent Unternehmenschef Georg Kofler. Die große Mehrheit der Anteile ist dagegen im Streubesitz.

Übernahme wäre kartellrechtlich „nicht aussichtslos“

Fachleute räumen Springer bei Premiere bessere kartellrechtliche Chancen als zuvor bei Pro Sieben Sat.1 ein. Dieses Geschäft war nach monatelangem Ringen am Veto des Kartellamtes und der Medienkonzentrationsaufsicht KEK gescheitert. „Kartellrechtlich wäre eine Premiere-Übernahme schwierig, aber nicht aussichtslos“, sagen Wettbewerbsjuristen.

So ist der frühere Monopolist im Bezahlfernsehen zwar weiterhin klar marktbeherrschend, doch ist der Sender durch neue Anbieter wie Arena und die Deutsche Telekom, die mittlerweile ebenfalls im Bezahlfernsehen mitmischt, unter Druck geraten. Medienrechtlich wäre ein Schulterschluß von Springer und Premiere nach Einschätzung von Fachleuten ohnehin unbedenklich. Anders als Pro Sieben Sat.1 habe Premiere nur einen geringen Zuschaueranteil am Fernsehmarkt insgesamt, heißt es.

Zweite Chance im Fernsehgeschäft

Für Springer wäre ein Einstieg bei Premiere die zweite Chance, im Fernsehgeschäft Fuß zu fassen und damit im Inland unabhängiger vom schwierigen Zeitungsgeschäft zu werden. Zugleich würde das Unternehmen deutlich wachsen. Der Verlag, der im deutschen Zeitungsmarkt mit Blättern wie „Bild“ und „Die Welt“ auf einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent kommt und damit klar die Nummer eins ist, verbuchte 2005 einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro. Premiere, das über rund 3,5 Millionen Abonnenten verfügt, wies im vergangenen Jahr Erlöse von knapp 1,1 Milliarden Euro aus.

Während Springer seinen Nettogewinn in den vergangenen Jahren verdoppelt hat, ist Premiere zuletzt jedoch tief in die Verlustzone geraten. Hauptgrund waren vor allem Sonderabschreibungen durch den Verlust der Fußball-Bundeliga.

Premiere wäre billiger als Pro Sieben

Für Springer wäre eine Übernahme des Bezahlsenders wesentlich einfacher zu finanzieren als der Kauf von Pro Sieben Sat.1. Durch den Kursverfall wird Premiere zur Zeit nur noch mit gut 800 Millionen Euro bewertet. Pro Sieben Sat.1 hätte den Verlag dagegen bis zu 4,2 Milliarden Euro gekostet. Allerdings wären in diesem Fall auch die Verbundvorteile (Synergien) vermutlich größer gewesen.

Anders als Premiere lebt Pro Sieben Sat.1 überwiegend vom Werbegeschäft, das sich nach Meinung mancher Fachleute gut mit dem Springer-Anzeigengeschäft ergänzt hätte. Gleichwohl zeigt das Beispiel der Fernsehzeitschrift „TV Digital“, daß auch Premiere und Springer von einer Zusammenarbeit profitieren können. Die beiden Unternehmen haben das sehr erfolgreiche Blatt 2004 zusammen auf den Markt gebracht.

Text: theu., F.A.Z., 04.09.2006
Bildmaterial: ddp, dpa/dpaweb

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Glück im Unglück: Schützen Sie sich vor den finanziellen Folgen eines Unfalls. Jetzt Unfallversicherungen vergleichen!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche