
FAZ-Institut indiziert Zitatenschwäche bei Journalisten 08.07.2008 - 08:50 Uhr, Redaktion SchmidtKaiser Frankfurt/M (ots) - Die Zitatgenauigkeit deutscher Journalisten scheint unter dem redaktionellen Kahlschlag der letzten Jahre zu leiden. So stellte das F.A.Z.-Institut in einer deutschlandweiten Medienanalyse fest, dass lediglich 60 Prozent der Redakteure, die über die letztjährige "Mercedes-Benz Fashion Week Berlin" berichteten, den Namen der Veranstaltung richtig zitiert haben. Fast 40 Prozent der Journalisten verwechselten das Treffen der Generation nach Yves Saint Laurent mit anderen Veranstaltungen, nannten es "Fashion Week" oder "Modetreffen". ----------- Soviel zum Thema Präzision und Korrektheit in den Medien. Dann kann man ja hochrechnen, wie viele sachliche Fehler und "Missverständnisse" in der Zusammenfassung eines halbstündigen Interviewgespräches entstehen werden.

Wow! So viele Kommentare in kürzester Zeit und jede Menge kräftiges Grün! Herr Sundermeyer, da haben Sie ja in ein Wespennest gestochen. Vielleicht sollte man bei der Autorisierung unterscheiden zwischen echten Missverständnissen, Kampfjournalismus und nachträglicher Manipulation von im Eifer getätigten Aussagen, die einen unerwünschten Blick auf den Interviewten ermöglichen. Ich habe selbst schon komplizierte Zusammenhänge mündlich erklärt und hätte die bei schriftlicher Abfassung so nicht unterschrieben. Wie soll das ein Fremdhirn besser machen? Bewusst verlogenen Kampfjournalismus in Verletzungs- und Vernichtungsabsicht habe ich auch schon erlebt. Und ich liebe es, wenn jemand einmal die Maske abnimmt und die Wahrheit sagt. Pressefreiheit ist ein so überragend wichtiges Gut, dass man einen Weg finden muss. Danke für den Stich!

.. denn "ein Wortlautinterview ist auf jeden Fall journalistische korrekt, wenn es das Gesagte wiedergibt". Es kann bei einem Interview nicht darum gehen, dass "das Gesagte" wiedergegeben wird, sondern das "der Wortlaut" wiedergegeben wird und zwar sowohl aus Sicht des Interwieten als auch aus der Sicht des Lesers. Als Leser will ich nicht erfahren, was der Journalist verstanden hat, sondern was der Gefragte geantwortet hat und das möglichst genau, also im Wortlaut. In diesem Sinne müssten alle Journalisten höchsten Wert auf eine Autorisierung legen, da diese eine Art Gütesiegel darstellt.

Auch ich werde wohl kein Interview mehr freigegeben, welches ich nicht autorisiert habe. Aus mangelnder Erfahrung habe ich mich von einem Redakteur einer renommierten Wirtschaftszeitung diesbezüglich abwimmeln lassen. Das Ergebnis war ein Bericht, der fast komplett am Thema vorbei ging und faktisch falsch war. Zudem wurden mir Worte in den Mund gelegt - nicht bösartig aber eben nicht so, wie ich es gesagt hatte. Das Interviews autorisiert werden müssen, haben sich die Medien selbst zu verdanken.

...heben mit Sicherheit nicht die Qualität eines Interviews. Ein gutes Interview entsteht aus dem Moment, der Interaktion heraus. Dies setzt selbstverständlich eine sorgfältige Vorbereitung beider Seiten voraus, welche auch die Gefahr von Missverständnissen erheblich verringert. Darin liegt offensichtlich häufig das Problem. Infolgedessen entspricht das tatsächliche Interview seltem dem, was sich die jeweilige Seite erhofft hatte, daher der Drang beider Seiten, das Gedruckte zu bestimmen. Zu den vorherigen Kommentaren nur soviel: Herr Munschick, die Autorisierung schützt ebenso den Interviewten vor der Ungenauigkeit seiner Aussagen, bzw. seiner Unwissenheit. Wenn man häufig das Gefühl hat, missverstanden zu werden, ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass man sich nicht stets klar und verständlich ausdrückt.

Das zeigt aber auch nur, wie sehr sich Medien und Politik in den letzten Jahren selber diskreditiert haben, indem sie immer nur den „dümmst Möglichen“ als zu verarschenden Ansprechpartner verinnerlicht haben, den es einzufangen.oder nach dem Mund zu reden galt. Irgendwann kapiert oder fühlt auch der Dümmste, dass er nur Stimm oder Kaufvieh ist und dann dürfen sich Politik und Medien nicht über eine gegen sie gerichtete Verdrossenheit wundern

Ich kann mich dem allgemeinen Tenor nur anschließen: Selbst bei verabredeten Interviews habe ich es erlebt, daß wir mit Gesprächspartnern von der Lokal-Presse konfrontiert wurden, die sich noch NIE mit dem Thema, mit dem wir uns intensiv auseinandergesetzt haben, beschäftigt haben. Dankbar waren wir immer für die Redakteure, die uns ihren geplanten Artikel quer lesen ließen - manchmal konnte man nur die schlimmsten Böcke ausmerzen - manchmal bei einem guten Artikel einige Fehlformulierungen verhindern. Die Presse spielt eine so wichtige Rolle im Meinungsbildungsprozess, da sollte jeder Redakteur offen für eine Rückmeldung seitens der Interviewten sein! Eine Frage der Fairness und Souveränität!

Nach Abdruck eines Interviews, das ich einer Design-Fachzeitschrift gegeben hatte, wunderte ich mich über einige inhaltliche Fehler, so das ich mich sogar fragte ob ich dies wirklich gesagt hatte. Irgendetwas stimmte nicht. Nach mehrmaligem Lesen stellte ich fest, dass am Anfangsteil des Interviews ein Satz fehlte (und der Zusammenhang aus dem vorherigen und dem folgenden Satz nun nicht vorhanden war), am Endteil wurde sogar ein ganzer Hauptsatz vergessen. Die Ursache, war nicht etwa die bewusste Zensur des Inhaltes, sondern einfach Unachtsamkeit und Layoutgründe. Eine Durchsicht des Aufgeschriebenen meinerseits hätte den Fehler aufgedeckt, aber das hätte vermutlich der Berufsethik der Redaktion widersprochen.

@ Uwe Harling (mittelschicht) Stimme Ihnen voll zu, auch mir ist es schon des öfteren passiert, obwohl ich meine Worte sehr fein auswähle. Nicht jeder kann eben mit Kritik umgehen, Kritik üben fällt meist leichter... Nur so nebenbei bemerkt

...jede Organisation, öffentlich oder privat, hat schon einmal sehr schlechte Erfahrungen mit nocht autorisierten Abdrucken gemacht. Und daraus lernt man. Wenn ein Berufsstand so viele schwarze Schafe hervorbringt und solche Anreize für Verfälschungen bestehen (Bild ist die auflagenstärkste Zeitung, na wenn sich schlechte Arbeit im Journalismus mal nicht lohnt...), darf man sich nicht wundern. Wenn man ein Recht zum unautorisierten Abdruck möchte, müssten erst drakonische gesetzliche Regelungen her. Das bedeutet Schadensersätze und Auflagen in Millionenhöhe, wenn nicht per Video nachgewiesen werden kann, dass jedes Wort einwandfrei so gesprochen wurde wie abgedruckt und ein Verbot jeglicher Kürzungen. Bis dahin weigere ich mich vor jedem Interview, dass sich nicht irgendwie vermeiden lässt, und gebe nur per Mail Zitate. Sofern ich den genauen Kontext erfahre und ein Gut zum Druck erhalte, dass ich autorisiere. Inklusive Bildern und Bildunterschriften.

Am besten ist ja noch der Euphemismus "Medien", als ob wir es mit einer vom Naturrecht vorbestimmten vierten Gewalt zu tun hätten. So würden sich die gewinnorientierten Presseunternehmen und Journalisten gerne sehen. Sobald man in der Zeitung von etwas liest, was man gut kennt, hat man immer das ungute Gefühl, dass die Fragen, die der Journalist an das Thema oder den Begragten stellt, die völlig falschen sind. So geht es einem auch, wenn man interviewt wird. Eigentlich müsste man dann zum Interviewer sagen: "Komm, schmeiss die Fragen weg, ich habe Ahnung von der Sache, laß mich einfach eine halbe Stunde lang erzählen." Aber die Journalisten glauben ja immer, sie müssten kritisch nachfragen. Nur dass die Kritik meist nur Unverständnis ist. Da darf man sich nicht wundern, wenn sich die Leute vor dieser Ungebildetheit absichern wollen. Zum Unverständnis kommt beim Verfassen dann ja immer noch der Wunsch dazu, im Nachhinein "etwas Kritisches" in den Text zu bringen. Da sitzt man als Interviewter dann fassungslos vor dem gedruckten Text. Der Journalist hat schon beim Gespräch nichts kapiert und erdreistet sich dann im Text noch, sich über den Befragten oder die Sache zu erheben. Das schaffen wirklich nur Journalisten :)

Die anderen Kommentare zeigen es, und ich schließe mich nur an: das Autorisieren muss sein. Es hat nichts mit Zensur zu tun. Es sollte eher eine Art Qualitätssiegel sein, dass eine Zeitung nur autorisierte Interviews druckt. Ich habe schon öfter mitgekriegt, wie Journalisten einfach Äußerungen nach ihrem Gutdünken interpretieren und dann zwischen Anführungszeichen setzen. Diese gängige Praxis ist Irreführung und sollte zivilrechtlich angreifbar sein.

...ist bei gewißen Themen deutlich zu merken, dass es nicht um sachliche Argumentation geht, sondern darum denn anderen eins auszuwischen. Und wenn das selbst in der FAz so ist, dürfte das in anderen Zeitungen noch schlimmer sein. Also, solange es genügend Gründe gibt Journalisten prinzipiell zu mißtrauen, solange wird die Zunft mit der Authorisierung von Interviews leben müssen. Villeicht versucht sie es einmal mit vertrauensbildenden Maßnahmen, wie z.B. der öffentlichen Ächtung ihrer schlimmsten Schmutzfinken!

... sind leider nur schlimmer, wenn sie denn dürfen. Ich kenne einige Fälle von Interviews mit Vorständen deutscher Sektionen amerikanischer Firmen. Bei den "autorisierten" Fassungen wurden teilweise ganze Fragen umformuliert - von den Antworten mal ganz abgesehen. Da mussten die sich dann doch eine neue PR-Abwerfstation suchen. Aber, und das stimmt ja auch - Autorisierungen können manchmal auch ganz hilfreich sein, wenn mal wieder jemand nicht richtig zugehört hat :-)

aber wirklich JEDES MAL wenn ich um eine Einschätzung oder ein Zitat gebeten werde und es mir nicht nochmals vorgelegt wird geht es schief. Im schlimmsten Fall wird eine Aussage - zumeist ohne bösen Willen - in Ihr Gegenteil verkehrt, womit ich als Depp dastehe. Die Autorisierung ist ein Schutz des Zitierten vor der Ungenauigkeit bzw. der Unwissenheit der Presseschaffenden. Gerade bei komplexen Themen sollten Sie froh sein, dass der befragte Experte auch in Ihrem Sinne Peinlichkeiten verhindert...

...zu berichten wissen. Aber wenn dann mal ein Artikel über ein Thema kommt mit dem man zu tun hat bzw. den Anlass dafür gibt, fragt man sich teilweise wie sie darauf kommen. Wer die Hoheit über das Geschriebene hat, hat die Deutungshoheit. Dieser Verantwortung sollten Journalisten gerecht werden. Nachdem Sie das nicht immer tun, müssen Sie wohl kontrolliert werden. Selber Schuld...

Ich habe selbst gesehen was der totale Mangel an Allgemeinbildung und einfachsten Gehirnfähigkeiten für "absurde Blüten" bei Jounalist(Inn)en treibt. Ich war beteiligt an einem Interview eines Lokalblattes über ein technisches Projekt, welches in der öffentlichen Wahrnehmun stand. Wir haben uns die allergrößte Mühe gegeben, Ihrer netten Kollegin fast schon banale technische Zusammenhänge unter Zuhilfenahme von einfachsten Skizzen zu erklären. Keine Wirkmechanismen, geschweige denn Physik. Nur eine einfache Ist-Stands-Beschreibung wie ein paar Rohre ineinander in der Erde stecken! Es hat nichts gebracht. Dinge, die jeder Arbeiter mit Hauptschulabschluss begreifen muss, weil er sonst dort nicht hätte arbeiten können, waren für diese studierte Person einfach zu hoch. Der Mist, den sie dann, entgegen unserer strikten Anweisung, unautorisiert verbockt hat, war einfach nur zum piepen. Wenn solche studierten Germanisten/Journalisten usf. nicht mehr in der Lage sind, die einfachsten Dinge des täglichen Arbeitslebens anderer (einfacher!) Leute zu begreifen, müssen Sie sich nicht über "Autorisierungswahn" wundern. Zum Leben gehört mehr als die Beherrschung des Dudens.

Auch die Kommentare, die hier geschrieben werden, werden fleißig zensiert. Ist mir schon einige Male passiert - leider geht dann oft der Sinn verloren.

Selbst ich kleines Licht bin mal interviewt worden und finde in der Zeitschrift eine Aussage über Dritte, die ich weder wörtlich noch inhaltlich gemacht habe. Es passte aber in den Kontext und es passte durch den Filter des Interviewers. Der hat sich das dann halt mal so gedacht. Lieber schreibt der zukünftig seinen Text nochmal, als dass ich mich vor jenen Dritten verteidigen oder gar mich bei ihnen entschuldigen muss, ist doch klar!