Britische Medien

Honorare runter

Von Gina Thomas, London

Eingangsportal des BBC-Hauptgebäudes in London

Eingangsportal des BBC-Hauptgebäudes in London

16. Juni 2009 Der Augiasstall wird gereinigt. Und die Reinigungswut, die derzeit durch Britannien fegt, verschont auch die BBC nicht. Der Sender mag zwar gehofft haben, dass die Intrigen in der Regierungspartei und die aberwitzigen Enthüllungen über die Abrechnungspraktiken der britischen Parlamentarier ihm selbst, einem der Lieblingsprügelkinder der Nation, eine Verschnaufpause geben würden. Aber der Zorn über die hohen Gehälter von BBC-Mitarbeitern lässt nicht nach, und die um das Monopol über die Rundfunkgebühren bangende Körperschaft fühlt sich im Zugzwang.

Für die kommende Woche ist das Erscheinen des umfassenden Berichtes „Digitales Britannien“ anberaumt, den der Technologiestaatsminister Lord Carter, einer der zahlreichen nichtgewählten Vertreter der Regierung Brown, erstellt hat. Zudem soll am Dienstag der Entwurf über die Zukunft der britischen Rundfunklandschaft dem Kabinett vorgelegt werden.

Zwangloser Drink mit Folgen

Gute Adresse für hohe Chef-Gehälter: Die Wood Lane in London

Gute Adresse für hohe Chef-Gehälter: Die Wood Lane in London

Obwohl die BBC eisern darauf beharrt, dass die Gebühreneinnahmen nicht für Zwecke aufgewandt werden sollen, die nichts mit der BBC zu tun haben, wird unter anderem erwogen, einen Teil der zurzeit ausschließlich dem Sender zufließenden Steuer an den kommerziellen Sektor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks abzuführen, etwa um die Produktion der Nachrichtensendungen von ITV zu subventionieren. Im Raum steht auch, dass die BBC Erträge ihres kommerziellen Armes, also von BBC Worldwide, abführen soll, um den notleidenden Sender Channel 4 mitzufinanzieren.

Im Vorfeld der möglichen Veränderungen jedenfalls schien die Leitung der BBC darauf bedacht, die öffentliche Meinung bei Laune zu halten, indem sie drastische Gehaltskürzungen für ihre prominentesten Moderatoren in Aussicht stellte. Die arglosen Mitarbeiter wurden in der vergangenen Woche zum Cocktail geladen. Auf der Einladung stand, dass Generaldirektor Mark Thompson zum zwanglosen Drink bitte - und zu einer Diskussion „um aktuelle Branchenthemen herum“. Statt wie einst Champagner und Häppchen verabreichte der Generaldirektor den Geladenen dieses Mal die Nachricht, dass die Spitzengehälter um fünfundzwanzig und vierzig Prozent gekürzt werden müssten. Die Wirtschaftskrise erfordert über die bis zum Jahr 2013 angestrebten Einsparungen von 1,9 Milliarden Pfund hinaus weitere Kürzungen. In den vergangenen vier Jahren sind 7200 Stellen gestrichen worden, weitere 1200 sollen folgen.

Planloses Vorgehen

Bislang hatte die BBC stets darauf verwiesen, dass die hohen Honorare notwendig seien, um die besten Talente zu bekommen. Aber die Geldknappheit trifft den gesamten Markt. Auch die Konkurrenz ist nicht mehr willens, große Namen für schwindelerregende Gagen abzuwerben. In der von den Boulevardzeitungen angeheizten Öffentlichkeit sind die Moderatorengehälter genauso verfemt wie die Bonifikationen der Banker. Der durch seine unflätigen Bemerkungen in der sogenannten Sachsgate-Affäre unter Beschuss geratene Jonathan Ross (siehe Tlefonscherze: Die BBC hat eine vulgäre Seite), der einen Dreijahresvertrag über achtzehn Millionen Pfund abgeschlossen haben soll, ist zum Inbegriff der Verschwendung in der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt geworden. Empörung hat allerdings auch die Enthüllung hervorgerufen, dass gleich fünfzig „Bonzen“ bei der BBC mehr verdienen als der Premierminister. Im Gegensatz zu ihm, der seinen Jahreslohn in Höhe von 189.994 Pfund publik zu machen hat, weigert sich die BBC unter Berufung auf die Privatsphäre, die Höhe der Spitzengehälter preiszugeben, obwohl sie wie die Saläre und Spesen der Parlamentarier von der öffentlichen Hand bezahlt werden.

Auch intern regt sich Unmut über das Vorgehen der BBC-Leitung, die zwar die Gehälter der führenden Manager auf absehbare Zeit eingefroren hat, sich selber aber von den Kürzungen ausschließt. Einer wie Jonathan Ross ist freilich weniger betroffen als die nicht so prominenten Mitarbeiter, die um die hunderttausend Pfund im Jahr verdienen. Sie arbeiten freischaffend und genießen die Sicherheiten der Festangestellten nicht. Wie planlos die BBC-Führung vorgeht, zeigt sich am Beispiel eines berühmten Moderators, dessen Vertrag erst im Mai neu ausgehandelt wurde. Kaum, dass die Tinte getrocknet war, meldete sich die Anstalt bei dessen Agentin und versuchte, das Vereinbarte wieder rückgängig zu machen, um auch ihn der neuen Lösung anzupassen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ ZB, REUTERS

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