Eine spätkarnevalistische Inszenierung mit zwei TV-Zombies der S-Klasse. Wer ist denn nun wirklich schwerer zu ertragen: der öffentlich-rechtlich alimentierte Links-Lamentierer oder der längst zum Fremdwitz-Verwerter verkommene Chamäleon mit verwirktem Talent-Bonus?
Man mag von Herrn Pocher, der nicht ohne uneigennützigen Grund keine Erwähnung fand, halten, was man mag; in der Comedy- (und keineswegs Kabarett-) Show "Schmidt&Pocher" ist er mit seinem unschuldigen Kamikaze-Acting auf der Höhe der Zeit, während "Dirty (old man) Harry" nur noch für müde Zynismen sorgt.
Hildebrandt hatte seine Zeit, Schmidt wohl auch; jetzt ist wieder eine andere mit Anderen für Andere..., alles halb so schlimm, alles nur Fernsehen.
Ich kann jedenfalls niemals 'trozdem' lachen. Bin ich humorlos ?
(Mein Arz wurde mich auch "diagnostizieren",wenn ich 'trotzdem' lachen wuerde)
... ein anderes Motiv für seine "Spässe" als Herr Schmidt. Deshalb wäre Schmidt auch gerne der Kabarettist, der er nie war. Schmidt ist ein Unterhalter. Seine Verhaltensstruktur ist die eines Politikers, der eigentlich jeder Partei angehören könnte und dafür die Erklärungen parat hätte. Angepasster als Schmidt kann keiner sein.
Harald Schmidt ist, wie viele der intelligenten, gebildeten Babyboomer, längst angewidert vom Nachkriegs-Lehrersozialismus mit all seinen Lebenslügen, wie ihn Hildebrandt repräsentiert, und vom moralinsauren Pseudohumor des Staatsfernsehens erst recht. Erfrischend ist die Lockerheit, die er in die ARD gebracht hat. Insofern ist er tatsächlich ein Vertreter seiner Generation, die den Laberdiskurs und das Beamtenrevoluzzertum der 68er seit langem nicht mehr ernstnimmt. Das ist kein Zeichen von Ignoranz, sondern von eigenständigem Denken, das die Linken am liebsten seit langem verboten hätten.
Bezeichnend ist, daß bis heute in solchen Talkshows die Altlinken Artenschutz genießen, wegen der political correctness und nun auch wegen ihres hohen Alters.
Diese Sendung ist eindeutig misslungen. Schmidt und Hildebrandt schleichen um sich herum, sie achten aber mögen sich nicht. Als es gerade interessant interessant zu werden droht, kommt Schmidts Polenwitzvergangenheit zur Sprache und den Rest der Sendung wird über das Vertriebenenzentrum gesprochen. Während Frau Maischberger beim Zusammentreffen von Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker die kleine schüchterne Maus gab, die den großen peinliche Fragen zum Alltag stellt (waren sie schon mal betrunken, Herr Weizsäcker?), hat sie diesmal vergeblich ihre Rolle gesucht um dann am überzeugendsten die Kichermaus zu spielen.
Hildebrand hat das Problem der heimatlos gewordenen Linken. Die müssen immer abseitigere Positionen einnehmen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Plumpeste persönliche Verunglimpfungen führen zum Schenkelklatschen wie im Komödienstadel. Eine klare Tendenz beim politischen Kabarett. Das Publikum stumpft immer mehr dagegen ab, weswegen immer noch einer draufgesetzt werden muss.
Und Schmidt? Der ist ein Clown, zugegeben ein guter, aber doch kein Kabarettist. Dutzende Autorengehirne suchen für ihn nach Varianten von alte Witzen. Nur der reflexartige Lacher zählt. Und sein dankbares Publikum will lachen. Ist OK. Allerdings bekommt er zunehmend das Problem aller Humorschaffenden: es schreibt sich leer. Wie bei Kishon, Beikircher und vielen anderen läßt das Spätwerk nach. Es findet nur noch statt, weil es sich immer noch vermarkten läst.
Meiner Meinung nach wollte Harald Schmidt sich zu keiner Partei bekennen und teilte nur Seitenhiebe in alle Richtungen aus. Neben der FDP traf das auch die Grünen, deren vermeintliches Bekenntnis ironisch gemeint war. Der Nachsatz zu den Grünen, er finde es prima, dass dort inzwischen das Tragen von Anzügen salonfähig sei oder wie er es auch formuliert hat, lässt darauf schließen, dass er auch dieses Wahlbekenntnis nicht ernst meinte. Man merkte dann förmlich sofort, wie Frau Maischberger verzweifelte, weil es ihr nicht gelang, Herrn Schmidt ein parteilpolitisches Geständnis zu entlocken.
Mal eine wirklich gelungene Sendung; i.d.R. schaltet man ja doch schell weiter auf der Suche nach einer interessanteren Sendung. Hier fand ich meine GEZ-Gebühren ausnahmsweise mal gut investiert. Ich wünschte, die Öffentlich-Rechtlichen würden mehr intellektuell anspruchsvolles Fernsehn bieten.
Hildebrandt ist ein unerträglicher Alt-Linker. Er meckert seit Jahrzehnten über den Konservatismus, der ihn friedlich und wohlhabend leben läßt. Das hat mit Kabarett nicht mehr viel zu tun. Dagegen ist Schmidt eine Wonne; der übrigens wohl kaum Grün wählt. Nicht mal aus Spaß.
womit der Herr Regisseur auf die Generation Golf anspielte, der er Harald Schmidt zuordnete und die nach meiner Erinnerung an den gleichnamigen Bestseller für die Generation in Deutschland steht, die Schnell-Lebigkeit und Oberflächlichkeit Teile ihrer Persönlichkeit nennt. Womit bei Herrn Schmidt zumindest eine Sache treffend pointiert ist.
Was Herr Schmidt wählt, geht immer noch keinen etwas an. Genauso wie meine Wahl muss er seine auch geheimhalten dürfen. Nur weil er in der Öffentlichkeit steht und sich als Kabarettist sein Geld verdient (natürlich auch auf Kosten der Politiker), braucht er sich nicht zu outen, welche politische Gesinnung ihm nun am nächsten steht.
Und mal ganz ehrlich: ist es nicht gerade sein bezeichnender Humor, der ihn zum Traumschiff getrieben hat? Herr Schmidt war sich noch nie für ein blödes Gesicht zu schade, für eine lächerliche Figur zu groß und für dümmliche Flachwitze zu intelligent. Und genau das ist es wahrscheinlich, was viele Zuschauer an ihm schätzen (auch wenn er sich nur auf ihr Niveau begibt, wie er bei Maischberger durchblicken ließ).
Zu Frau Maischberger: selten so Schulmädchenkichernd erlebt und ihre Gäste, als sie sich endlich warm gesprochen hatten, kaum unter Kontrolle.
Schade, dass ich die Sendung verpasst habe. Nach Ihrer Zusammenfassung, war es ja wohl recht spannend.
Zitat:
„Wenn man gar nichts ernst nimmt, dann kann man auch nirgendwo stehen“, tadelte Hildebrandt.
So ist es. Harald Schmidt pointiert nach wie vor manches glänzend. Das ändert nichts daran, daß sich seine Pose aufgenutzt hat.