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ARD hat auch Ullrichs Berater Pevenage bezahlt

Von Michael Hanfeld/Thomas Purschke

Der Mann hinter Ullrich: Rudy Pevenage

Der Mann hinter Ullrich: Rudy Pevenage

12. September 2006 Die ARD hat sich - wie erwartet - zusammengerauft. Trotz der heftigen Kritik an der dubiosen Vereinbarung mit dem Radsportler Jan Ullrich wurden die Verträge der in die Geschichte Verwickelten - Programmdirektor Günter Struve und Sportkoordinator Hagen Boßdorf - verlängert. Struve bleibt für weitere anderthalb Jahre Programmchef des Ersten (bis Oktober 2008), Boßdorf hat sogar einen Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren bekommen. Dieser Vertrag hat allerdings eine Auflösungsklausel für den Fall, daß die Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft, die sich für Boßdorfs Kontakte zur Stasi in den achtziger Jahren interessiert, zu einer Verurteilung führen.

Die Entscheidung für Boßdorf, sagte ein Intendant der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, habe "am Ende aller Güterabwägung" gestanden. Der Fall sei hart und kontrovers diskutiert worden, schließlich habe man sich auf diese Lösung geeinigt.

Mehrere tausend Euro für Pevenage

Doch ist die Sport-Affäre, wie es scheint, damit noch nicht ganz ausgestanden. Denn der Saarländische Rundfunk hatte, nach F.A.Z.-Informationen, nicht nur den Radler Jan Ullrich für die ARD unter Vertrag, sondern auch dessen Berater Rudy Pevenage, gegen den die spanische Guardia Civil wegen Dopingverdachts ermittelt. In Abstimmung mit den Sportchefs der anderen Sender habe der Saarländische Rundfunk, so Sprecher Peter Meyer, als federführende Anstalt für den Radsport, dem Berater von Jan Ullrich, Rudy Pevenage sowie Chris Carmichael, dem Berater von Lance Armstrong, 2004 und 2005 während der Tour de France jeweils mehrere tausend Euro Honorar für sogenannte "Mitwirkendenverträge" gezahlt. Pro Leistungstag wurden Pevenage und Carmichael mit 500 Euro "für On-Air-Auftritte und redaktionelles Briefing honoriert. Bei den Deutschlandtouren 2004 und 2005 erhielt Rudy Pevenage ebenfalls ein Honorar von 500 Euro pro Leistungstag."

Als Begründung gab der SR-Sprecher an: 2004 und 2005 habe die Tour de France im Zeichen der Duelle zwischen Armstrong und Ullrich gestanden. Die ARD habe ihren Zuschauern Einblick in Rennvorbereitung und Wettkampftaktik gewähren wollen. Dazu seien Pevenage und Carmichael bereit gewesen. Der Belgier Pevenage ist jüngst besonders durch seine von der spanischen Polizei mitgeschnittenen Doping-Auskünfte aufgefallen. Der Heidelberger Dopingaufklärer Werner Franke sagte zu dem Honorarvertrag für Pevenage auf Anfrage: "Das paßt: Wer Kriminelle bezahlt, fördert die Kriminalität."

Der SR-Sprecher Meyer bestätigte zudem, daß SR-Intendant Raff den ARD-Vertrag mit Ullrich über zunächst 230. 000 Euro pro Jahr (später 195.000 Euro plus Boni) gekannt habe. Von dem Vertrag mit Pevenage habe er nichts gewußt, sagte Raff der F.A.Z.. "Das sind Verträge, die auf Redaktionsebene in Absprache mit den jeweiligen Honorar- und Lizenzabteilungen eines Senders auf den Weg gebracht werden." Raff übernimmt von 2007 an den Vorsitz unter den Intendanten.

Diese haben sich auch in einem anderen Punkt geeinigt: Für internetfähige Computer soll vom 1. Januar 2007 an, die Grundgebühr von 5,52 Euro pro Monat fällig werden, nicht die volle Gebühr von 17,03 Euro. Die ARD ist sich wieder in allem einig.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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