Telefon-Abzocke

Zur Kasse, bitte schön!

Von Peer Schader

02. Mai 2008 Was wäre Sat.1 bloß ohne Fußball? Mit den Übertragungen der Spiele aus Uefa-Cup und Champions League putscht der Sender derzeit seinen Monatsmarktanteil auf, und ein Taschengeld lässt sich nebenbei auch noch dazuverdienen: mit Gewinnspielen wie bei „Champions TV“, das komplett vom Abo-Sender Premiere zugeliefert wird. Sat.1 muss nur noch für die Werbevermarktung sorgen und die kostenpflichtige Hotline schalten, bei der Zuschauer anrufen können, um 5000 Euro zu gewinnen.

Allerdings dürfen nicht alle, die mitmachen, ihre Lösung auch auf Band sprechen - oft ist lediglich eine Ansage zu hören: „Vielen Dank für Ihren Anruf beim Sat.1-Gewinnspiel. Leider hatten Sie dieses Mal noch kein Glück. Versuchen Sie es aber gerne noch einmal.“ Es empfiehlt sich, nicht gleich aufzulegen, sondern die freundliche Dame vom Band ausreden zu lassen, denn die hat noch den Hinweis parat: „Dieser Anruf kostet Sie 50 Cent aus dem Festnetz der Deutschen Telekom“ - und das bedeutet: gezahlt wird auch dann, wenn man seine Lösung gar nicht durchgeben kann.

Besser Zeit mitbringen

Aus Sicht von Sat.1 ist das völlig korrekt. Schließlich wird am Bildschirm auf eine Videotextseite verwiesen, die auf eine andere Videotextseite verweist, auf der die Teilnahmebedingungen für Gewinnspiele stehen. Insgesamt 14 Tafeln sind dort zu lesen, es ist also besser, man bringt etwas Zeit mit. Der Sender mag daran nichts Anstößiges finden: Jeder Anrufer habe die gleiche Chance, ausgewählt zu werden und zu gewinnen, heißt es. Eine Sat.1-Sprecherin sagt: „Aufgrund technisch bedingter Beschränkungen ist es nicht möglich, alle Anrufer ihre Lösung auf ein Band sprechen zu lassen.“ Für den Normalzuschauer ist das auf Anhieb kaum nachvollziehbar.

Es gibt aber noch eine dritte Ansage für Anrufer beim „Champions TV“-Gewinnspiel, und die geht so: „Legen Sie noch nicht auf. Diesmal haben Sie es nicht in den Gewinnerpool geschafft, aber Sie haben trotzdem gewonnen!“ Anschließend bietet die Dame vom Band dem Anrufer an, kostenlos drei Monate Premiere zu schauen. „Wenn Sie noch kein Premiere-Kunde sind und dieses Angebot nutzen wollen, drücken Sie einfach die ,1'“, heißt es da und dass sich ein Mitarbeiter von Premiere melden werde. Der schönste Satz folgt auch hier zum Schluss: „Dieser Anruf kostet Sie 50 Cent aus dem Festnetz der Deutschen Telekom.“ Als Anrufer bei „Champions TV“ zahlt man also nicht nur dafür, seine Lösung nicht loswerden zu können, sondern auch für die Abonnentenwerbung von Premiere. Das findet man bei Sat.1 ebenfalls ganz o. k: „Die Tarifierung des Anrufs erfolgt allein für die Teilnahme am Sat.1-Gewinnspiel. Für das Anbieten des Partner-Vorteilangebots entstehen dem Anrufer keine zusätzlichen Kosten.“ Wie großzügig.

Premiere ist das alles eher peinlich. Auf Nachfrage verweist man dort an „die Kollegen“ von Sat.1. Und zu der Frage, ob Premiere es in Ordnung findet, dass Anrufer 50 Cent zahlen müssen, die gar nicht ihre Lösung hinterlassen können, äußert man sich lieber nicht schriftlich, versichert aber: Bei eigenen Gewinnspielen werde das anders gehandhabt. Wer auf seinem Telefon die „1“ gedrückt hat, wird übrigens ein paar Tage später zurückgerufen und hat eine nette Callcenter-Mitarbeiterin am Apparat, die gerne Adressdaten für das „Schnupperabo“ aufnehmen möchte. „Schnupperabo“ bedeutet in diesem Fall: Man verpflichtet sich bei Premiere als zahlender Kunde für zwei Jahre und bekommt drei Monate die Gebühr geschenkt - und zwar: die letzten drei der Vertragslaufzeit. „Wir hatten auch schon mal die ersten drei Monate kostenlos, aber da haben alle gleich wieder gekündigt“, sagt die Frau am Telefon. Unfassbar, wie unverschämt diese Zuschauer manchmal sein können.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Cinetext/Groeneveld

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