Montgomery kauft Orkla Media

Eine Milliarde Kronen auf Pump

Von Siegfried Thielbeer, Kopenhagen

Finanzierungsprobleme in Norwegen: Medieninvestor David Montgomery

Finanzierungsprobleme in Norwegen: Medieninvestor David Montgomery

26. Juli 2006 In Rede stand das Geschäft schon lange. Seit gestern ist es spruchreif und ist klar, wie die angelsächsische Medien-Investmentgruppe Mecom, angeführt von David Montgomery, die Medienbeteiligungen des norwegischen Orkla-Konzerns - genannt Orkla Media - kaufen will. Sie kauft den ganzen Laden für 7,55 Milliarden norwegische Kronen (umgerechnet 950 Millionen Euro). Direkt bezahlt werden davon aber nur 5,6 Milliarden Kronen, für 852 Millionen Kronen kommt Mecom mit eigenen Aktien auf. Und 1,1 Milliarden Kronen gibt es als Kredit - von Orkla.

Der norwegische Konzern zeigte sich mit dem Abschluß zufrieden - er verschaffe den Aktionären einen guten Wertzuwachs. Zugleich werde Orkla Media Teil eines neuen und verheißungsvollen Medienkonzerns mit Wachstumsmöglichkeiten. Orkla erhält einen Platz im Mecom-Vorstand, dem Chef von Orkla-Media, Bjorn Wiggen, wird der Direktorposten von Mecom Europe offeriert. Insgesamt wird Orkla fast zwanzig Prozent von Mecom besitzen. Das Abkommen soll im September und Oktober umgesetzt warden, nachdem Mecoms Kapitalaufstockung auf einer Aktionärsversammlung gebilligt worden ist.

Orkla gibt Montgomery Kredit

Orkla ist einer der größten Medienkonzerne Skandinaviens. In Schweden kontrolliert Orkla Media 49 Prozent der Zeitung „Norrländska Socialdemokraten“ und besitzt überdies etwa zwanzig weitere Spezialzeitungen. Im vergangenen Jahr hatte Orkla vergeblich versucht, den schwedischen Medienmarkt durch Übernahme von Zeitungen der Certer-Partei noch stärker zu kontrollieren. Mit Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen sowie Magazinen ist der Konzern zudem in Polen, im Baltikum sowie in der Ukraine vertreten. Auf dem polnischen Zeitungsmarkt ist Orkla Media der größte Spieler mit Engagements in dreizehn Zeitungen, die eine Auflage von 560.000 Exemplaren haben. In Deutschland ist Orkla mit der „Netzeitung“ vertreten. Besonders engagiert ist Orkla in Dänemark durch den Besitz der altehrwürdigen Tageszeitung „Berlingske Tidende“, dem Boulevardblatt „BT“, der Gratiszeitung „Urban“ sowie einer Reihe regionaler Blätter. Die Berlingske-Gruppe ist der größte Zeitungskonzern in Dänemark mit einer inzwischen starken Internetpräsenz.

In Dänemark, vor allem bei der „Berlingske Tidende“, sieht man den Verkauf an Montgomery weniger positiv. Die Beschäftigten fürchten um ihre redaktionelle Unabhängigkeit und einen massiven Personalabbau - wegen der Gewinnerwartungen eines Finanzinvestors wie Montgomery. Der, wie sich durch die Mitteilung an die Börse nun herausstellt, selbst durchaus Schwierigkeiten bei der Finanzierung seines großen Deals hat. Der Orkla-Konzernchef Dag Opedal hatte in den vergangenen Wochen immer wieder erkennen lassen, daß er an einen Abschluß mit Mecom glaube. Der Preis ist nun bekannt: Orkla beteiligt sich an Mecom und gibt Montgomery Kredit.

Ein paneuropäischer Medienkonzern entsteht

Während der langwierigen Verkaufsverhandlungen war es - ganz ähnlich wie in Deutschland, als Montgomery im Verein mit den amerikanischen Investoren Veronis Suhler Stevenson den Berliner Verlag übernahm - zu Protesten von Angestellten der Orkla Media gegen den Inhaber in spe gekommen. Deren Zweifel an seiner Geschäftspolitik konnte Montgomery auch nicht durch Interviews zerstreuen, in denen er sein Engagement für die Qualitätssicherung etwa bei „Berlingske“ zusicherte und versprach, sich auch finanziell für die Fortentwicklung des Blattes einzusetzen. Die Zeitung habe als Medium eine Zukunft, versicherte Montgomery und hob zugleich hervor, daß es Mecom nicht um kurzsichtige Gewinninteressen durch Kostenreduzierungen gehe. Vielmehr gebe es die Perspektive, die gekauften Medien zu entwickeln und zugleich dafür zu sorgen, daß sie Gewinne von fünfzehn Prozent erwirtschafteten. Es ist dasselbe Credo, mit dem er schon seine Aktivitäten in Deutschland begleitete.

Doch angesichts der offensichtlichen Finanzierungsschwierigkeiten wachsen die Zweifel, daß Montgomery zum Beispiel ausreichend Geld zur Verfügung stellt, um die Zeitungen sicher durch den in Dänemark drohenden Zeitungskrieg zu steuern. In den kommenden Wochen werden zwei große Zeitungen mit Gratisausgaben auf den Markt kommen. Entlassungen und Kürzungen sind deshalb weiterhin das Szenario, das der Vertrauensmann Steffen Lilmoes von „Jyske Vestkysten“ befürchtet, der zugleich Vorsitzender der journalistischen Vertrauensleute der Berlingske-Gruppe ist. Carine Johansen, die Mitarbeitervertreterin im Orkla-Vorstand, sagte, der 25. Juli 2006 sei „ein Tag der Sorge“. Sie zeigte sich enttäuscht, daß Orkla, um den Handel überhaupt zustande zu bringen, Mecom mehr als eine Milliarde Kronen leihe. Dies sei ein klarer Beweis dafür, daß Orkla den Medienteil des Konzerns schon lange loswerden wollte.

David Montgomery macht unterdessen seine Ankündigung wahr, mit seiner Mecom einen paneuropäischen Medienkonzern zu formen. In Deutschland, Skandinavien, dem Baltikum und Osteuropa hat er Fuß gefaßt.

Text: F.A.Z., 26.07.2006, Nr. 171 / Seite 34
Bildmaterial: AP

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