Film

Borat ist tot. Und Ali G auch!

Von Michael Hanfeld

Borat - ein Kasache in Kalifornien

Borat - ein Kasache in Kalifornien

23. Dezember 2007 Das muss schon komisch sein. Einer jener Momente, in denen man seine fünf Sinne beisammen halten und sich kneifen muss, damit man es nicht für eine ganz persönliche Fata Morgana hält: Da kommt also jemand zum Interview, spaziert durchs Foyer eines Hotels in Beverly Hills; Haare wie ein Handfeger, dicke Hornbrille auf der Nase, Dreitagebart, verwaschene Jeans, Sweatshirt, Baseball-Kappe und sagt: Hallo, mein Name ist Sacha Baron Cohen. Und als nächstes: Mit Borat und Ali G ist jetzt Schluss. Ich habe sie umgebracht, sie waren einfach zu erfolgreich.

Man merkt dem Text des Reporters John Hiscock vom britischen „Daily Telegraph“ an, wie sehr er gestaunt hat. Zunächst darüber, dass der Verwandlungskünstler Sacha Baron Cohen tatsächlich als er selbst kam und eben nicht als Borat oder Ali G, und dass er dann auch noch - innerlich bewegt - von deren Ableben berichtet: „Als Ali G und Borat habe ich manchmal vierzehn Stunden pro Tag deren Rollen gespielt, und sie sind mir ans Herz gewachsen. Einzuräumen, dass ich sie niemals wieder spielen werde, ist deshalb eine ziemlich traurige Sache“, sagte Cohen. Es sei so, als ob man „sich von einem geliebten Menschen verabschiedet.“

Schlechte Nachricht für kasachische Außenpolitik

Geliebt haben Borat und Ali G viele, aber auch gehasst. Vor allem aber: Es kennt sie jeder. Und damit ist ihre Lebenszeit abgelaufen. „Das Problem mit dem Erfolg - obwohl es phantastisch läuft - ist, dass jeder, der den Borat-Film gesehen hat, einer weniger ist, den ich als Borat drankriegen kann“, sagt Cohen. Also sei die Entscheidung, Borat und Ali G. aufzugeben, „eine Art von Selbstverteidigung“.

Das ist für die weltweit verstreute Borat-Gemeinde eine schlechte Nachricht und wohl auch für die kasachische Außenpolitik, schließlich war Sacha Baron Cohen als Borat ein zwar unfassbar dreist-geschmacklos-peinlicher Botschafter seines Landes, aber immerhin jemand, der einen auf die Idee bringen konnte, sich selbst einmal ein Bild von dem Land zu machen, in dessen Namen Borat seine Späße trieb.

Borats Erbe tritt längst auf

Es könnte allerdings auch sein, dass Sacha Baron Cohen Borat in die Wüste schickt, weil gegen ihn inzwischen rund dreitausend Klagen anhängig sein sollen. Von seinem Witz fühlen sich die Humorlosen aller Länder beleidigt. Die ungewöhnlichste Klageandrohung, sagt Sacha Baron Cohen im Interview, habe er von einem Anwalt erhalten, der im Namen seines Mandanten 100.000 Euro forderte und im Nachwort schrieb: „P.S.: Ich liebe Ihren Film. Könnten Sie mir für meinen Sohn Jeremy ein Poster unterschreiben?“

Jede Wette, das Cohen alias Borat unterschrieben hat. Gegen diesen Derwisch von Reporter ist Horst Schlämmer, das Grevenbroicher Alter Ego von Hape Kerkeling („In meinen Adern fließt Druckerschwärze“), wirklich ein Landei. Wobei festzuhalten ist, dass Borats Erbe längst auftritt: Bruno, der schwule Mode-Reporter des österreichischen Fernsehsenders OJRF („Österreichischer Jungen Rundfunk“), dessen Geschichten wahrscheinlich im nächsten Jahr ins Kino kommen.

Inselfischer und Olive

Worüber Sacha Baron Cohen natürlich nicht reden will, um zumindest das Inkognito seiner dritten Kunstfigur nicht gleich auch noch zu zerstören. Über sich selbst gibt Cohen generell so gut wie nie Auskunft, auch der Kollege vom „Daily Telegraph“ brachte nicht mehr heraus, als dass Cohen in Los Angeles lebt und seine Freundin, die australische Schauspielerin Isla Fisher - (kann so ein Name echt sein? - Inselfischer?) - gerade ihre gemeinsame Tochter namens „Olive“ zur Welt gebracht hat. Mehr gebe es nicht zu sagen.

Es muss ein unwirklicher Moment gewesen sein, in dem sich der echte Journalist von dem Schauspieler verabschiedete, der einen fiktiven Reporter verkörperte, den er zwar nun nicht weiterspielt, aber unsterblich gemacht hat.

Was wäre, wenn dieser Typ mit dem Dreitagebart gar nicht der ist, als den er sich ausgibt? Oder was ist, wenn es diesen Sacha Baron Cohen gar nicht gibt, der da angeblich auf dem Parkplatz des Four-Season-Hotels in Beverly-Hills steht und auf sein Auto wartet?

Bruno, unser Wiener Gesellschaftsreporter, weiß bestimmt weiter. Wir werden ihn fragen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa, REUTERS

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