Von Felix Johannes Krömer
02. August 2006 Da ist sie also, moussierend zunächst, es folgen ein klebrig-karameliger Körper mit Kupfer-Beigeschmack von Süßstoffen und eine Reminiszenz an Cola light im Abgang. Genaugenommen schmeckt die neue Coke zero exakt wie die alte Coca-Cola light. Auch die Zutatenlisten auf den Flaschen beider Produkte aus demselben Hause stimmen weitestgehend überein: Wasser, Kohlensäure, Farbstoff E150d, Koffein, kein Zucker (wobei die Werbung so tut, als sei Coke zero die erste Cola ohne Zucker). Als Süßstoffe werden Natriumcyclamat, Acesulfam-K und Aspartam angegeben.
Kleine Abweichung: Coke zero enthält als Säuerungsmittel nicht Phosphorsäure und Zitronensäure wie Cola light, sondern lediglich Phosphorsäure. Dafür wurde dem neuen Getränk der Säureregulator Natriumcitrate zugesetzt. Die Nährwertangaben stimmen überein: Beide Brausen haben 0,25 Kalorien je hundert Milliliter. Das Etikett von Coca-Cola light schmückt daher das Prädikat Weniger als eine Kalorie. Bei Coke zero ist von zero Zucker die Rede. Manche mißverstehen das und denken, die neue Diätcola sei noch kalorienärmer als die alte, habe zero Kalorien. Das alles sagt natürlich nichts über die verwendeten Aromen aus, bekanntlich hält der Hersteller seine Rezepturen geheim.
Light klingt so nach Halbfettmargarine
Beide Colas haben einen unterschiedlichen Geschmack, aber das schmeckt man nicht, erklärt ein Limonadenkenner. Was nicht heißt, daß die zwei Getränke sich auch nur annähernd ähneln. Wie alle Menschen aus den gleichen Substanzen gemacht, aber nicht identisch sind, klafft zwischen den Diät-Colas ein himmelweiter Unterschied. Cola light nippen Frauen, Coke zero saufen Männer. Das scheint zumindest der amerikanische Limonadekonzern zu denken, der mit seiner aufwendig beworbenen Neukreation die Zielgruppe kalorienbewußter Y-Chromosom-Träger anlocken will. Vor der herkömmlichen Süßstoffbrause schrecken die meisten Männer offenbar zurück. Kein Wunder: Sie hat ein Image zwischen Weight-Watchers-Damenkränzchen und Kokshinterzimmer bei den Mailänder Modenschauen. Der Zusatz light klingt nach Halbfettmargarine, Spaghettitop und rosa Handtäschchen. Höchstens Prosecco-Tunten in Szenecafés sagen: Ich hätt' gerne eine Cola light.
Unvorstellbar, daß ein echter Hetero-Macker, sei er noch so diätbedürftig, diesen Wunsch in der homophoben Eckkneipe seiner Wahl äußert. Dagegen Coke zero! Das klingt nach Bruce Willis, der, das Unterhemd verschwitzt und besudelt von Terroristenblut, am Tresen einer Kaschemme lehnt und mit heiserer Stimme knurrt: Eine Zero! Dieses Zeug, so die Botschaft, ist nichts für Frauen und Warmduscher, es ist hart, ehrlich, kompromißlos: zero tolerance. Seltsam, daß Coca-Cola nicht an den Originaltitel von Bruce Willis' Action-Reißer Stirb langsam gedacht hat: Die hard - Coke zero. Das wäre doch ein bärenstarker Werbespruch.
Text: F.A.Z., 02.08.2006, Nr. 177 / Seite 36
Bildmaterial: CINETEXT, Coca-Cola GmbH