Hat die Bloggerkultur wirklich das Kommunizieren gelernt?

Bloggerkonferenz

Sorry, meine Schuhe quietschen!

Bloggerkonferenz in Berlin: Während sie den Vorträgen lauschen, surfen sie im Netz. Einig sind sie sich nur in einem: Die „alten“ Medien sind doof und in fünf bis zehn Jahren tot. Die Blogger wollen nicht erwachsen werden. Von Thomas Thiel

Lesermeinungen zum Beitrag

07. April 2008 11:39

Kritische Blogger-Kultur ermöglicht Medien-Demokratisierung

Werner Hahn (wernerhahn)

In Wirklichkeit befasst sich der „Journalismus“ doch nicht allein mit der „Informations- und Nachrichtenübermittlung“. Unzutreffend liest man, „Analyse, Reportage oder Essay“ seien angeblich „Fremdgattungen“. Wer mit dem Bloggen und dem Online-Journalismus Erfahrungen gesammelt hat, findet heraus, was der anonyme Google-Algorithmus an die vorderste Stelle setzt. Die Blogger-Kultur ermöglicht tatsächlich eine „kritische und ökonomisch unabhängige Gegenöffentlichkeit zu etablierten Medien“. Wenn Printmedien und andere „Machthaber“ Ärger und Unwillen erregen, vermag der/die Blogger(in) erfolgreich gegen die „bösen Buben“ zu kommentieren. Gute Redaktionen erfreuen sich an klugen Diskussionen und steigenden Klickzahlen. Die Qualität der Nutzerdiskussionen wird zunehmen, wenn sich der Nutzer mit seinem echten Namen an den Kommentaren beteiligen muss. Meinungsrandalierer kann man damit im Griff behalten. Redaktionen sollten nicht jeden Unsinn eines hyperaktiven Störers freischalten. Wird aber bei den Kommentaren durch die zuständigen Online-Chefs streng gesiebt - nur weil sie der Redaktion inhaltlich nicht passen -, werden sich die Online-Nutzer von diesem Medium fernhalten.

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07. April 2008 11:28

Unbekümmertheit vs. Qualitätsfilter

Angela Leinen (sopran)

Vor- und Nachteil des Bloggens ist das Fehlen einer Redaktion. Vorteil: Geschwindigkeit, ungefilterte Subjektivität, Unbekümmertheit. Nachteil: Wo es um Nachrichten, Fakten, Fundiertes gilt, fehlt das zweite bis n-te Paar Augen. Bloggen kann nur da mit seriösen Printmedien mithalten, wo die Beiträge einer Qualitätskontrolle unterliegen, entweder durch einen redaktionellen Filter oder - zeitgemäßer - durch die Zusammenarbeit in einem kritischen Team.
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<br>(Sage ich als unbekümmert subjektive Kleinbloggerin mit angemessenen 100 Zugriffen pro Tag.)

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07. April 2008 10:21

Und das ist beim Bloggen anders?

Nathalie Neumann (NathiNeu)

Bloggen lebt vom Mitteilungsbedürfnis der Autoren. Was die von sich geben, ist ungefiltert das, was sie sich zurechtspinnen. Die Autoren sind sozialisiert durch etliche Einflüsse, politisch korrekt oder nicht.
Die Autoren verbreiten das, was sie wollen. Und sie berichten keine Nachrichten, sondern bringen Meinungen vor. Damit definieren sie ihre eigene politische Korrektheit und unterwerfen sich ihrer eigenen Zensur. Daß das freier, objektiver und weniger dogmatisch ist als herkömmlicher Berufsjournalismus, muß sich erst noch erweisen - und ich bezweifle das.
Bei aller Kritik, die man berechtigterweise am herkömmlichen Journalismus haben kann, muß man es erst einmal besser machen. Blogger haben sehr viel weniger Möglichkeiten, an Informationen zu kommen: kein Korrespondentennetz, keine Rechercheure, keine hauptamtlichen Informanten, keine Reporter. Was sie wissen, haben sie aus den Medien oder in ihrer Umgebung erlebt oder vom Hörensagen. Was sie schreiben, ist ihre Interpretatation davon.
Ich hoffe sehr, daß uns der Berufsjournalismus erhalten bleibt. Sendungsbewußte Selbstdarsteller sollen sich als Blogger austoben, ich will freien und unabhängigen Journalismus, der mich informiert. Meine Meinung bilde ich mir selbst.

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07. April 2008 01:22

Journalisten ohne Eigenschaften

Thomas Franz Lehmann (Ex.Occidente.Lux)

Der Journalismus ist blutleer und kraftlos geworden.
Nicht nur erstarrt in Verhaltenskodizes (PC-Problem), sondern auch allzu normiert in Wortwahl und Stil, weil Journalisten sehr konforme Ausbildungen absolviert haben (allesamt Geisteswissenschaftler).
Als intensiver Hobbykommentator (mit Schwerpunkt Islam) habe ich schon extremen Arbeitsaufwand geleistet, um hochwertige Essays oder längere Kommentare zu schreiben, und selbst kurze Beiträge werden intensiv ausgefeilt.
Die Schreibfertigkeit entwickelt sich mit zunehmender Erfahrung, so dass die qualitative Lücke zu den "Profis" geringer wird.
Gleichzeitig betreibt der Hobbyposter sein Handwerk aber aus Überzeugung, aus einem inneren Antrieb heraus, und nicht, weil er dafür bezahlt wird - und diese Leidenschaft merkt man den Beiträgen eben an!
Neben der höheren Authentizität gibt es mehr Unabhängigkeit (man schreibt, was man wirklich denkt), und durch die Suche nach innovativen neuen Ansätzen - herkömmliche Journalisten schreiben bloss voneinander ab - entsteht mehr assoziative Kreativität, mehr Informationsgehalt, und mehr Unterhaltung, und es entsteht eine gegenseitige Qualitätskontrolle, weil die eigene These direkt auf dem Prüfstand der anderen steht.

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06. April 2008 21:03

bloggen hat sicher mehr zukunft als politisch korrekter alter Journalismus

d. orth (rodeo)

Das schlimme ist ja, dass wir in den "alten" Medien nicht nur pc serviert bekommen sondern, dass anscheinend Zensur stattfindet und niemand sich in den Medien wehrt.

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