Der Evolutionsprozess kennt gegen kollektive Fehlentwicklungen nur einfache, selbstdurchsetzende Lösungen der Umsteuerung und Erneuerung. Auch der Zusammenbruch einer Kulturentwicklung gehört in diese Kategorie der einfachen Lösungen.
Auf den Bewegungsmangel der Jugendlichen gehen fast alle kollektiven Fehlentwicklungen zurück. Der Mangel an Leistungs-, Durchhalte-, Grenz- und Glückserfahrungen, die durch Bewegungsmangel (= Nicht-Anstrengung, -Wagen, -Nicht-Erfahrung) eintritt, führt zu Ersatzhandlungen. Aggressivität in der Gruppe, Drogen- und Ersatzbefriedigungen im Konkurrenzkonsum treten als leicht erreichbarer Kick an die Stelle der friedlichen, fast kostenlosen Selbsterfahrung, wie sie körperliche Betätigung an frischer Luft, z.B. Radfahren, anbieten. Die Stressbiologie zeigt diese kulturprägenden, langfristigen Zusammenhänge auf.
Wer eine aggressive, konsumorientierte Kultur herstellen will, weil sie Umsatz und Wachstumszwang generiert, der programmiere unsere Jugendlichen in den Ländern auf Bewegungsmangel - durch 'Runter-vom-Fahrrad' rein in ÖPNV-Busse und Bahnen. Aldous Huxley 'Brave New World' ist das Buch, das diese negative Utopie beschreibt.
Hier müßte die Diskussion ansetzen. Hier, und nur hier.
Lehmann ist eben kein Politiker, sondern ein schonungslos ehrlicher Mensch. Wie schön sich die Medien auf eine vermeindlich skandalöse Enthüllung stürzen.
Den "Hirnforscher", der nichts las Phrasen beitragen könnte, hätte jemand darüber informieren sollen, dass 0,5% Alkohol nicht schädlich für kleine Kinder sind. Sonst dürfte man den Kinder auch keine Fruchtsäfte, Früchte wie Bananen, Kefir, Brot, Sauerkraut und diverse andere Lebensmittel geben, die ebenfalls 0,5%, oft sogar mehr enthalten.
Auch sollte Mann Herrn Lehmann nicht das Wort im Mund verdrehen. Bei den Fouls im Fussball bezog er es auf sich selbst und dass Lehmann öfter gesagt hat, auf dem Platz spiele er eine Rolle, da sei er nicht die gleiche Person wie außerhalb des Platzes, sollte bekannt sein.
Und wenn Sie in ihrem Artikel angeben, Lehmann wolle die Internetnutzung seines Sohnes nicht einschränken, dann sollten sie auch erwähnen, dass Lehmann gesagt hat, sein Sohn habe kaum Zeit fürs Internet wegen der engl. Ganztagsschule und würde höchstens 20 Minuten täglich mit seinen Freunden, die den Eltern bekannt sind, im MSN-Messanger schreiben.
Also im Prinzip abolut vorbildlich.
Man kann über die inhaltliche Auseinandersetzung streiten, aber was an dieser Sendung wirklich erfrischend anders war als bei der anderen Ausgaben mit der "üblichen Besetzung" (Berufspolitiker) ist die weitgehende Abwesenheit von Unterbrechungen. Es war wirklich einmal wohltuend, zu sehen, wie sich die Gesprächspartner zuhörten und nicht ständig in den Vordergrund drängten. Dass ausgerechnet Frau von der Leyen hier eine leichte Ausnahme machte, passt ins Bild.
Alles in allem ist das wieder einmal eine Bestätigung für Hoimar von Ditfurths alter These, das unser politisches System bei der Selektion Eigenschaften fördert, die bei der Ausübung von Ämtern hinderlich sind. Politiker, die zuhören, werden i.d.R. durch den Selektionsprozess der Wahlen benachteiligt - würden aber wohl die besseren Kanzler und Minister abgeben. Letztlich liegt das aber dann auch wieder an uns Wählern bzw. den Parteimitgliedern...
