Von Jordan Mejias, New York
16. November 2006 Geht es noch obszöner? O. J. Simpson, der amerikanische Footballstar, der vor elf Jahren die Nation mit einem schier endlosen Prozeß in Atem hielt, vom Mord an seiner Frau Nicole Brown Simpson und deren Freund Ronald L. Goldman schließlich freigesprochen wurde, danach aber in einem Zivilprozeß für schuldig befunden wurde, will ein Geständnis ablegen. Ein halbes. Oder ein vorgetäuschtes. Oder ein parodistisches. Oder auch gar keins.
Auf jeden Fall will er Geld verdienen, wenn er demnächst in Buchform und zwei Fernsehauftritten erklärt, wie er die Morde begangen hätte, wenn er sie begangen hätte. Das Buch erscheint Ende des Monats bei Regan Books, und die berühmte, wenn nicht berüchtigte Verlagschefin Judith Regan wird ein paar Tage vorher selbst den nichtmordenden Mörder für den Fernsehsender Fox interviewen. Wieviel für ihn und sie dabei herausspringt, ist nicht bekannt, und auch ob die Familienangehörigen der Opfer etwas davon abbekommen, weiß noch niemand. Simpson konnte damals vom Zivilgericht nur noch zu einer Zahlung von Schadenersatz in Höhe von 33,5 Millionen Dollar verurteilt werden. Seitdem versucht er, so arm wie möglich zu sein.
Daß Judith Regan sich für die unappetitliche Geldmacherei hergibt, kann nicht verwundern. Sie hat schon, wenn auch weniger obszön, der Pornodarstellerin Jenna Jameson mit How to Make Love Like a Porn Star zu Buch- und Fernsehruhm verholfen. Mehr schon müßte sich der Sender Fox um seinen Ruf Sorgen machen. NBC hat es offenbar abgelehnt, Simpsons vielleicht allzu wirklichkeitsnahe Fiktion zu zeigen. Allerdings scheinen dabei keinerlei moralische Bedenken den Ausschlag gegeben zu haben. Weder für Werbekunden noch für Public Relations, so ein Sprecher der Fernsehgesellschaft, sei das Vorhaben geeignet.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP