05. Dezember 2007 Zu 600 Dollar Kriegskasse für den Assistenten in der F.A.Z. vom 22. November: Die anfangs lesenswerte Story über einen somalischen Stringer unseres Studios Nairobi endet mit bedauerlichen Verfälschungen. Sie stimmt so nicht, die Geschichte von der kalten und herzlosen ARD, die einem verdienten Mitarbeiter Knall auf Fall die Existenzgrundlage entzieht und ihn ins Exil treibt.
Das Studio Nairobi hat seinem Mogadischu-Kontaktmann Ahmed Jimale zehn Jahre lang ein monatliches Salär zukommen lassen, auch noch, als Somalia kein Nachrichten-Hotspot mehr war. Das Studio hätte längst dringenderen Bedarf, zum Beispiel in den Bürgerkriegsländern Kongo, Liberia oder Sudan, gehabt und hat selbst dort Stringer immer nur für Einzelproduktionen beschäftigt, nie aber als Pauschalisten - eine international übliche und faire Praxis. Bei 38 Staaten im Berichtsgebiet hatte nur Somalia diese Sonderstellung, die sich beim besten Willen nicht dauerhaft aufrechterhalten ließ.
Der somalische Kollege wurde bereits eineinhalb Jahre vor der endgültigen Entscheidung bei einer Drehreise auf diese zunehmende Problematik hingewiesen. Die definitive Änderung seines Beschäftigungsverhältnisses wurde nicht durch eine Ortskraft per Telefon, sondern durch den Studioleiter angekündigt. Die anschließenden Gespräche in Nairobi waren einvernehmlich. Ahmed wurde eine vorrangige Beschäftigung auch bei künftigen ARD-Produktionen und ein erhöhtes Tageshonorar schriftlich zugesichert - ein Rausschmiss aus Unzufriedenheit hätte anders ausgesehen. Von einem tödlichen Bedrohungsszenario war damals keine Rede, wohl aber von langgehegten Auswanderungsplänen nach Schweden. Von dort hat später weder die Studioleitung noch den Kölner WDR eine konkrete Bitte um Ausbildungsunterstützung erreicht. Schließlich: einen Somalia-Stringer, der jetzt von Nairobi aus arbeiten soll, gibt es nicht: die ARD informiert seit der neuerlichen Zuspitzung der Lage mit Hilfe eines in Mogadischu ansässigen Journalisten.
Der Autor des Artikels hat weder das Studio Nairobi noch seinen damaligen Leiter mit den konkreten Vorwürfen konfrontiert. Auch Ahmed Jimale hat das nicht getan, als er noch vor einigen Monaten persönlich in der Auslandsredaktion in Köln vorbeigeschaut hat - und dabei auch den ehemaligen Leiter des Studios Nairobi herzlich begrüßt hat.
Tina Hassel, WDR Fernsehen, Köln
Text: F.A.Z., 06.12.2007, Nr. 284 / Seite 11