Die „Berliner Zeitung” wechselt den Besitzer

„Berliner Zeitung“

Alles muss raus

Kein Geld, kein Plan, kein Personal: Was wird bloß aus der „Berliner Zeitung“? Vielleicht wechseln die Leser zur Konkurrenz, vielleicht wird die Zeitung aber auch verkauft. Bloß: Wer will ein Blatt haben, das nur noch eine Hülle ist, um Werbung zu transportieren? Von Peer Schader

Lesermeinungen zum Beitrag

30. Juni 2008 12:56

Legendenbildung

Irene Henning (Ganzweitvorn)

Hier wird einmal mehr an der Legende eines untergehenden Qualitätsblattes gestrickt. In Wirklichkeit war und ist die Berliner Zeitung ein linkes Kampfblatt. Es reicht eigentlich die Pressemitteilungen von SPD, Die Linke etc. zu lesen. Wer dies mag, der wird mit Tagesspiegel, TAZ, Neues Deutschland und etlichen anderen linken Berliner Blättern bereits bestens bedient. In Berlin wird zwar vornehmlich links gewählt, aber der absolute Umfang dieser Klientel läßt sich bei gleichbleibendem Bevölkerungsstand nicht steigern. Also mußte mindestens eine Zeitung sowieso weg. Das haben die Investoren richtig erkannt. Und da die Berliner Zeitung grundsätzlich jeden Unternehmer als fiesen Kapitalisten angesehen haben, sind folgerichtig die nicht fiesen Unternehmer weggeblieben. Die Redakteure haben sich ihre eigene Zukunft herbeigeschrieben.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
29. Juni 2008 18:42

Ich habe es hinter mir.

Martin Ibert (maribert)

Ich bin ein ehemaliger Abonnent der Berliner Zeitung. Vor etwa drei Monaten hatte ich endgültig die Nase voll und bin gewechselt ... nein, nicht zur FAZ, was unter anderem damit zu tun hat, daß ich auf einen Berliner Lokalteil großen Wert lege, sondern zum großen Konkurrenten, zum Tagesspiegel. Bisher bereue ich den Wechsel nicht, sondern freunde mich im Gegenteil mehr und mehr mit meiner neuen Zeitung an. Es ist genau wie Herr Schader schreibt: Ist ein Abonnent erst einmal weg, bekommt man ihn nur sehr schwer wieder zurück. Ich wüßte nicht, was mich bewegen sollte, zurück zu wechseln, es sei denn, sowohl Montgomory als auch Depenbrock hätten die Zeitung verlassen, und der Tagesspiegel hätte sich irgendwas geleistet, was ich nicht akzeptieren kann. Ich habe dem Berliner Verlag in meinem Kündigungsschreiben detailliert dargelegt, warum ich kündige. Nicht, daß ich mitlesende Abonnenten dazu auffordern möchte, ihre Abonnements ebenfalls zu kündigen -- das muß jeder mit sich selbst ausmachen --, aber wenn, dann empfehle ich, die Gründe ebenfalls klar darzulegen. Vielleicht ist ja doch noch was zu retten. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Diese Lesermeinung bewertenBelanglos Lesenswert
1 - 2 von 2 Lesermeinungen
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche