Hilfe für Sturm-Opfer in Burma

Junta lässt Ausländer einreisen

Ban Ki-moon besuchte Flüchtlingslager in dem am schwersten betroffenen Irrawaddy-Delta

Ban Ki-moon besuchte Flüchtlingslager in dem am schwersten betroffenen Irrawaddy-Delta

23. Mai 2008 Burmas Militärregierung hat sich nach Angaben von UN-Generalsektretär Ban Ki-moon einverstanden erklärt, alle ausländischen Helfer in das vom Wirbelsturm „Nargis“ verwüstete Land einreisen zu lassen. Dies sagte Ban am Freitag nach einem Treffen mit Junta-Chef Than Shwe in dem Regierungssitz Naypyidaw. Auf die Frage, ob dies einen Durchbruch bedeute, sagte Ban: „Ich glaube schon.“ Bislang hatte sich die Militärregierung geweigert, ausländische Helfer in größerer Zahl ins Land zu lassen, um den rund 2,5 Millionen Menschen zu helfen, die nach der Katastrophe dringend auf Hilfe warten.

Zum Auftakt des mehr als zweistündigen Gesprächs schüttelte der 75 Jahre alte Than Shwe Ban mit versteinerter Miene die Hand und ließ zunächst nicht erkennen, ob er gegenüber der Weltgemeinschaft zu Zugeständnissen bei der Verteilung der in seinem Land dringend benötigten Hilfsgüter bereit sein wird. Er habe den Chef der Militärregierung gedrängt, so schnell wie möglich Helfer ins Land zu lassen und die Hilfsgüter so schnell wie möglich an die Bedürftigen zu verteilen, sagte der UN-Generalsekretär.

Helfer „unabhängig von ihrer Nationalität“ ins Land lassen

Der General habe ihm zugesichert, alle Helfer „unabhängig von ihrer Nationalität“ ins Land zu lassen. Zudem dürfe der Flughafen der ehemaligen Hauptstadt Rangun als Drehkreuz bei Verteilung der Hilfsgüter genutzt werden. Nach Angaben der Vereinten Nationen machte Than Shwe eine Auflage. Es müsse sich um „echte humanitäre Helfer handeln und klar sein, was genau sie tun wollten“, sagte ein Beamter, der bei dem Gespräch dabei war. „Das müssen wir jetzt umsetzen.“

Ban hatte sich nach dem Katastrophe wiederholt schwer enttäuscht über die Militärregierung geäußert. Ban war es nach eigenen Angaben über viele Tage hinweg noch nicht einmal gelungen, mit General Than Shwe auch nur zu telefonieren. Die Militärregierung vertritt den Standpunkt, dass sie die Lage in den betroffenen Gebieten unter Kontrolle hat.

Hilfsorganisationen „verhalten optimistisch“

Vor der Küste Birmas warten unterdessen zahlreiche ausländische Schiffe auf die Erlaubnis der Militärregierung, ihre Hilfslieferungen entladen zu dürfen. Seit Verkündung der Neuigkeit durch den UN-Generalsekretär habe sich für die Kollegen an Ort und Stelle noch nichts geändert, sagte Karina Lehmann, Regionalkoordinatorin des Deutschen Roten Kreuzes für Südostasien in Bangkok, der F.A.Z. „Die burmesische Botschaft in Bangkok hat um 16 Uhr am Freitag geschlossen, und bis dahin war man dort nicht instruiert, das bisherige Vorgehen zu ändern: Die Visa-Anträge wurden wie bisher bearbeitet.“ Das Rote Kreuz sei aber trotzdem „verhalten optimistisch“, sagte Lehmann. „Wir hoffen vor allem auf einen Zugang zum Delta.“ Bisher konnte nur die australische Delegationsleiterin des Roten Kreuzes Rangun für eine zweitägige Erkundungsreise verlassen. Insgesamt sind 25 internationale Rotkreuzhelfer in Rangun. Nach wie vor warten viele Mitarbeiter in Bangkok auf Visa. „Einige haben wir in der Zwischenzeit schon wieder nach Hause geschickt oder nach China verlegt“, berichtete Lehmann.

Für die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ in Berlin sagte eine Sprecherin: „Wir begrüßen die Nachricht natürlich, ob sich tatsächlich etwas ändert, werden die nächsten Tage zeigen“. Erst am Donnerstag seien fünf Visa-Anträge von internationalen Helfern der Ärzte ohne Grenzen abgelehnt worden. Die Helfer wollten nach Rangun einreisen. Zwar gelangten insgesamt 26 Mitarbeiter noch nach dem Zyklon ins Land. Die meisten sitzen aber seitdem in Rangun fest. „Bislang haben nicht einmal zehn unserer internationalen Mitarbeiter die Erlaubnis bekommen, im Delta zu arbeiten“, sagte die Sprecherin. Die Hilfsorganisation stütze sich daher vor allem auf Einheimische, die sich innerhalb des Landes leichter bewegen können.

Zehn Tonnen Hilfsgüter aus Deutschland

Auch bei der Deutschen Welthungerhilfe ist man skeptisch. „Von den Behörden in Rangun haben unsere Mitarbeiter noch keine offizielle Bestätigung erhalten“, sagte die Sprecherin der Organisation in Bonn. „Die zentrale Frage ist: Heißt das, dass nur die Helfer mit offiziellem Arbeitsvisum Rangun verlassen und ins Delta reisen dürfen? Es gibt ja auch sehr viele Helfer, die nur ein Touristenvisum haben. Können auch diese Helfer sich jetzt leichter bewegen?“ Schon vor der Katastrophe brauchten Ausländer eine Reisegenehmigung, wenn sie innerhalb des Landes reisen wollten. Auch eine Mitarbeiterin der Welthungerhilfe, die seit anderthalb Jahren mit einem offiziellen Arbeitsvisum in Burma ist, kann Rangun noch immer nicht verlassen. „Wenn die Ankündigung der Regierung stimmt, ist das ein echter Durchbruch“, sagte die Sprecherin. „Entscheidend ist, wie es bürokratisch umgesetzt wird.“

In diesem Sinne äußerte sich auch der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Erler. Er wird Deutschland bei der internationalen Geberkonferenz am Wochenende in Rangun vertreten. Der Zugang zum Katastrophengebiet sei „die entscheidende Herausforderung“, sagte Erler. Erler nimmt zugleich zehn Tonnen Hilfsgüter mit, darunter medizinische Notfallsets, Zelte, Moskitonetze, eine Wasseraufbereitungsanlage und Wasserreinigungstabletten. Die Bundesregierung hat deutschen und internationalen Hilfsorganisationen bislang vier Millionen Euro als Soforthilfe für Burma zur Verfügung gestellt.Weitere Hilfe steht bereit.

Internationale Organisationen rechnen damit, dass in dem vom Wirbelsturm besonders betroffenen Irrawaddy-Delta noch etwa 2,5 Millionen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen sind. Der UN-Generalsekretär hatte sich nach einem Besuch im Irrawaddy-Delta am Donnerstag entsetzt über das Ausmaß der Zerstörungen gezeigt. Allerdings war Ban Ki-moon in einem Ort gewesen, der von den Militärs als Vorzeige-Zeltlager angelegt worden ist. Dort geht es dem Vernehmen nach einigermaßen ordentlich zu. Die Lage in anderen Gebieten soll dagegen weitaus schlimmer sein.

Text: huch., F.A.Z. / FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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