07. Mai 2008 Der Zyklon Nargis könnte in Burma nach Einschätzung eines amerikanischen Diplomaten 100.000 Menschen das Leben gekostet haben. 95 Prozent der Gebäude in den betroffenen Gebieten seien zerstört. Die staatlichen burmesischen Medien bezifferten die Zahl der Toten am Mittwoch auf knapp 23.000, mehr als 42.000 Menschen galten demnach als vermisst.
Mit ihrer massiven Behinderung von Katastropheneinsätzen zieht die Militärregierung in Burma unterdessen den Zorn von Politikern und Helfern auf sich. Sofort müssten Nichtregierungsorganisationen und die Uno Zugang zu der geschundenen Bevölkerung bekommen, forderte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul am Mittwoch in Paris. Der französische Außenminister Bernard Kouchner drohte, den Uno-Sicherheitsrat einzuschalten, um Burma zu einer besseren Kooperation zu zwingen.
Das Auswärtige Amt in Berlin verdoppelte die humanitäre Soforthilfe für die Menschen in Burma auf eine Millionen Euro. Das Geld stehe sofort zur Verfügung und solle vor allem für Trinkwasseraufbereitung, Notunterkünfte, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung ausgegeben werden. Die Bundesregierung ist sehr besorgt angesichts der immer größeren Ausmaße der Katastrophe in Myanmar (Burma), sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Deutschland stehe für weitere Hilfe bereit. Ich appelliere nochmals an die Behörden in Myanmar, allen Helfern ungehinderten Zugang zu den Katastrophengebieten zu gewähren und eine effektive internationale Hilfsoperation zu ermöglichen. Steinmeiers Sprecher Martin Jäger betonte, die Lage in Burma sei dramatisch und das Ausmaß der Verheerung nicht voll zu übersehen.
Kann man Rangun zwingen?
Kouchner forderte, die Vereinten Nationen müssten jetzt ihre Entschlossenheit zeigen: Wir müssen prüfen, ob Rangun gezwungen werden kann, die notwendige Hilfe ins Land zu lassen. Zwar habe die Militärregierung grünes Licht für zwei Uno-Maschinen mit Hilfsgütern gegeben. Die französische Marine habe aber auch mehrere Schiffe mit Ausrüstung und Lebensmitteln an Bord vor der Küste des Landes. Nur verweigert die burmesische Regierung die Autorisierung, um den Menschen zu helfen, kritisierte Kouchner.
Auch der Malteser Hilfsdienst berichtete von massiven Behinderungen der Hilfseinsätze. Wir dürfen nicht in die hauptbetroffenen Gebiete in der Region Irrawaddy-Flussdelta hinein, sagte Asien-Koordinator Roland Hansen. Bisher arbeiteten die Malteser in zwei Slumgebieten um die ehemalige Hauptstadt: In Myanmar (Burma) wird jeder Schritt außerhalb der Hauptstadt kontrolliert. Zudem würden bereits erteilte Genehmigungen für die internationalen Mitarbeiter unerwartet wieder entzogen.
Die Caritas beklagt sich
Die Caritas beklagte, die Einreise vieler internationaler Helfer aus Asien und Europa werde von der restriktiven Visa-Politik der Militärjunta verzögert. Es gilt jetzt, schnell zu sein. Jede Stunde zählt, sagte Oliver Müller, Leiter von Caritas International. Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen rief die Militärjunta zum Einlenken auf. Allein für dieses Hilfswerk warten demnach 20 internationale Mitarbeiter und ein Flugzeug mit 40 Tonnen Materialien auf Genehmigungen.
Das Kinderhilfswerk Unicef warnte, nach der Sturmkatastrophe sei vor allem die Gesundheit der Kinder in der betroffenen Region gefährdet. Leichen, Tierkadaver, Schlamm und Salzwasser hätten viele Brunnen unbenutzbar gemacht. Nun drohten Durchfallerkrankungen und Cholera, die für Kinder tödlich verlaufen könnten.
Erste-Hilfe-Sets und Plastikplanen
Ein Team von rund 130 Unicef-Mitarbeitern verteilte im schwer getroffenen Irrawaddy-Flussdelta Erste-Hilfe-Sets, Plastikplanen, Chemikalien zur Wasserreinigung und Medikamente gegen Durchfall. Die Bundesregierung entsandte einen Logistikexperten des Technischen Hilfswerks (THW) in die frühere Landeshauptstadt Rangun.
Mehr als die Hälfte der 53 Millionen Einwohner Burmas leben in den fünf von dem Zyklon am schwersten betroffenen Gebieten des Landes. In der größten Stadt Burmas, Rangun, bildeten sich lange Schlangen an den Tankstellen. Die Preise für Lebensmittel stiegen stark. Doch die allgemeine Stimmung in der Fünf-Millionen-Einwohner-Metropole war eher von Resignation bestimmt als von Aufruhr. Es wird keine Demonstrationen geben, sagte etwa ein Taxifahrer. Die Leute wollen nicht erschossen werden.
Text: AP/Reuters
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, F.A.Z., REUTERS
