In Burma drohen neue Unwetter

„Auf das Schlimmste vorbereitet“

15. Mai 2008 In Burma drohen schwere Unwetter die Hilfe für die Zyklon-Opfer weiter zu erschweren. Die einheimischen Katastrophenhelfer, die allein in der Küstenregion arbeiten dürfen, bereiteten sich auf das Schlimmste vor, sagte Joe Lowry vom Roten Kreuz am Donnerstag in Bangkok. Meteorologen haben für die kommenden Tage mehr als zwölf Zentimeter Niederschlag vorausgesagt. „Das Land ist schon völlig gesättigt, das Wasser kann nicht abfließen, mehr Leute werden erneut vertrieben und die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten wächst“, sagte Lowry. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind fast zwei Wochen nach dem verheerenden Zyklon erst ein Viertel der Opfer notdürftig versorgt worden.

Flugzeug aus Deutschland eingetroffen

Unterdessen ist in Rangun am Donnerstagmorgen das erste Flugzeug aus Deutschland mit 20 Tonnen Hilfsgütern für die Opfer des Zyklons eingetroffen. An Bord der Maschine waren nach Angaben der deutschen Botschaft in Rangun unter anderem vier Anlagen zur Wasseraufbereitung. Bei den Vereinten Nationen in New York wächst unterdessen die Frustration über den Widerstand der Militärjunta gegen ausländische Helfer. „Die Größenordnung dieser Situation erfordert eine verstärkte Mobilisierung von Ressourcen und Hilfskräften“, sagte Generalsekretär Ban Ki-moon.

Die Militärregierung in Burma habe mit der Gewährung von weiteren Visa eine „gewisse Flexibilität gezeigt, aber das ist nicht genug“, sagte Ban. Der Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, John Holmes, werde nun persönlich nach Burma fliegen, um die Junta zu einer Öffnung des Landes zu bewegen. Burmas UN-Botschafter, Kyaw Tint Swe, warnte indes davor, die Situation „zu politisieren“.

Helfer befürchten mehr als 100.000 Tote

Die deutschen Wasseraufbereitungsanlagen sollen in Burma vom Welternährungsprogramm in das Katastrophengebiet gebracht werden. Die Organisation hat einheimische Mitarbeiter im Land, die - anders als Ausländer - in das Sperrgebiet reisen dürfen. Bislang konnte das Welternährungsprogramm 700 Tonnen Reis und Bohnen für etwa 100.000 Menschen liefern.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass zehntausende Überlebende fast zwei Wochen nach dem Zyklon „Nargis“ noch verletzt und obdachlos auf Hilfe warten. Bis zu 2,5 Millionen Menschen brauchen demnach dringend Nahrungsmittel, Medikamente und Unterkünfte. Die burmesische Militärregierung geht von mehr als 60.000 Toten und Verletzten aus. Hilfsorganisationen befürchten mehr als 100.000 Tote.

„Gewisse Anzeichen für Bewegung“

Die Welthungerhilfe hatte am Mittwoch die ersten Lastwagen mit 18 Tonnen Reis, Linsen, Öl und Salz ins Irrawaddy-Delta nach Bogale geschickt. Dort sollten einheimische Mitarbeiter die Verteilung organisieren. „So können wir garantieren, dass unsere Hilfe wirklich bei den notleidenden Menschen ankommt“, sagt Angela Schwarz, Regionalkoordinatorin der Welthungerhilfe in Burma. In Bogale war bisher kaum Unterstützung für die Opfer angekommen.

Der Sonderbeauftragte für humanitäre Angelegenheiten im Auswärtigen Amt, Busso von Alvensleben, sprach am Mittwoch in Rangun von Bewegung: „Ich sehe gewisse Anzeichen dafür, dass wir weiterkommen. Steter Tropfen höhlt den Stein.“

Anders äußerte sich Thailands Ministerpräsident Samak Sundaravej, der die zurückgezogenen Juntageneräle eigens in ihrer abgelegene Hauptstadt Naypyidaw aufsuchte, um sie zu einer Öffnung des Landes zu bewegen: „Sie bekräftigen, dass sie keine ausländische Hilfe brauchen.“

Junta: 92 Prozent für Verfassungsentwurf

Unterdessen meldet die Junta, dass die Menschen in Burma mit überwältigender Mehrheit für den vom Militärregime vorgelegten Verfassungsentwurf gestimmt. Das Papier sei bei dem Referendum am vergangenen Samstag mit 92,4 Prozent der Stimmen gebilligt worden, berichtete der staatliche Rundfunk am Donnerstag. Die Wahlbeteiligung habe bei mehr als 99 Prozent gelegen.

In zwei vom Wirbelsturm „Nargis“ betroffenen Regionen wurde die Abstimmung verschoben und soll am 24. Mai nachgeholt werden. Das dortige Ergebnis könne an der Billigung des Verfassungsentwurfs rechnerisch nichts mehr ändern, hieß es im Rundfunk. Kritiker der birmanischen Militärjunta haben den Verfassungsentwurf als undemokratisch und unfair zurückgewiesen.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS

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