Massenproteste

Tote und Verletzte in Burma

27. September 2007 In Burma sind auch am Donnerstag wieder Zehntausende Menschen auf die Straßen gegangen und haben gegen die Regierung protestiert. Sie ließen sich von dem zunehmend gewalttätigen Vorgehen der Militärjunta nicht beeindrucken. Mehrere Personen wurden von Schüssen der Sicherheitskräfte getroffen, ein Japaner wurde getötet. Das bestätigte die burmesische Regierung der japanischen Botschaft in Rangun. Offenbar handelt es sich um einen Pressefotografen. Hunderte Demonstranten wurden laut Medienberichten festgenommen und in Lastwagen weggebracht.

Über die Anzahl der Toten gibt es keine verlässlichen Auskünfte. Die burmesische Regierung bestätigte zunächst nur zwei Todesfälle, darunter jenen des Japaners. Laut Augenzeugen wurden aber allein am Mittwoch fünf Menschen erschossen. Später meldete das staatliche burmesische Fernsehen, insgesamt seien neun Menschen getötet und elf verletzt worden. 31 Polizisten und Soldaten seien bei den Auseinandersetzungen in Rangun verletzt worden. Die Demonstranten hätten versucht, den Sicherheitskräften die Waffen zu entreißen, berichtete das staatliche Fernsehen.

Oppositionelle verhaftet

Schon in der Nacht war es zu Razzien in mehreren Klöstern gekommen. Sicherheitskräfte verschafften sich gewaltsam Zugang zu den Gebäuden und nahmen nach Angaben von Augenzeugen Hunderte Mönche fest. Die buddhistischen Mönche führen den Volksaufstand an, der vor mehr als einer Woche begonnen hat. Ebenfalls in der Nacht zu Donnerstag verhaftete die Regierung vier ranghohe Vertreter der „Nationalen Liga für Demokratie“ (NLD), deren Gründerin Aung San Suu Kyi seit Jahren unter Hausarrest steht.

Die burmesische Regierung versprach ausländischen Diplomaten ein maßvolles Vorgehen gegen die Opposition. „Die Regierung ist entschlossen, zurückhaltend auf die Provokationen zu reagieren“, sagte ein stellvertretender Außenminister laut einem Diplomaten. Der Minister machte demnach „destruktive Elemente im Inneren und Äußeren“ für die Proteste verantwortlich. „Sie sagten, sie würden eindeutig missverstanden, und deswegen hätten sie zu dem Treffen eingeladen“, sagte der Diplomat weiter.

UN-Resolution scheitert an Chinas Widerstand

Die Vereinigten Staaten forderten ein Ende der Gewalt. „Die burmesische Regierung sollte der Freiheitssehnsucht des Volkes nicht im Weg stehen“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses Gordon Johndroe. „Sie muss die Gewalt gegen friedliche Demonstranten jetzt stoppen.“ Am Mittwoch war eine Resolution des UN-Sicherheitsrates am Widerstand Chinas gescheitert, das die Militärjunta in Burma traditionell unterstützt.

Eine chinesische Regierungssprecherin sagte am Donnerstag: „Wir hoffen, dass alle Parteien in Myanmar (Burma) zurückhaltend bleiben und die Probleme angemessen angehen, so dass sie nicht komplizierter werden oder sich ausweiten.“ Die Stabilität Burmas und der regionale Frieden dürften nicht gefährdet werden.

Die Militärpräsenz in Rangun sei am Donnerstag erkennbar verstärkt worden, sagte ein britischer Diplomat, der sich in der Stadt aufhält. Zentrale Sammlungsorte, wie die Schwedagon-Pagode, wurden mit Stacheldraht abgesperrt. Dennoch kam es an mehreren Orten Ranguns zu tumultuarischen Szenen.

Bei Zusammenstößen im Stadtteil Tamwe brach nach einem Bericht der exilburmesischen Internetzeitung „The Irrawaddy“ Feuer aus. Zuvor hatten Soldaten vor einer Menschenmenge an der Sule-Pagode Schüsse abgegeben. Ob sie auf die Demonstranten zielten oder nur Warnschüsse abgaben, war unklar. Augenzeugen berichteten von mehreren Verletzten. Viele hätten Wunden von Schlägen mit Gewehrknäufen. Es heißt, die Demonstranten seien weiterhin friedlich geblieben und hätten Lieder gesungen. Mehreren Berichten zufolge wurde am Mittag das „Traders“, ein unter Ausländern beliebtes Hotel im Zentrum Ranguns, von Soldaten durchkämmt. Offenbar suchten sie nach Journalisten. Pressevertretern ist die Einreise nach Burma nicht gestattet.

EU will weitere Sanktionen

Die EU hat am Donnerstag beschlossen, Burma so schnell wie möglich mit weiteren Sanktionen zu belegen. Die Botschafter der Mitgliedstaaten beauftragten eine Arbeitsgruppe, Optionen für „gezielte Sanktionen“ zu erarbeiten, von denen die Bevölkerung so wenig wie möglich beeinträchtigt wäre. Die Entscheidung fiel einstimmig, da alle Mitgliedstaaten sich einig waren über den Ernst der Lage in dem südostasiatischen Land.

Die neuen Sanktionen sollen die Zwangsmaßnahmen ergänzen, die die EU schon vor Jahren gegen Burma verhängt hatte. Dazu gehören unter anderem ein Rüstungsembargo und Einreiseverbote für Militärs, Regierungsmitglieder und ihre Familien.

In Brüssel herrschte die Einschätzung vor, dass zwar auch im UN-Sicherheitsrat gehandelt werden müsse, die EU aber nicht untätig bleiben solle, bis in New York weitere Entscheidungen gefallen sind. Ansonsten will die EU regionale Kontakte, vor allem jene zu China und Indien, nutzen, um die Ereignisse in Burma zu beeinflussen.



Text: buch./nbu./F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, reuters

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