Ban Ki-moon

Auftritt ohne Glanz

Von Andreas Ross

14. Mai 2008 Es ist kein glanzvoller Moment im Leben eines UN-Generalsekretärs, wenn er mitteilt, dass ein Staatschef seine Anrufe nicht entgegennimmt und seine Briefe nicht beantwortet. Am Montag hat Ban Ki-moon die Reaktion der burmesischen Junta auf den Zyklon und die internationalen Hilfsangebote als völlig inakzeptabel bezeichnet. Für seine Verhältnisse war es eine eindringliche Mahnung, als er die Generäle an ihre Verantwortung für Tausende Menschenleben erinnerte.

In manch westlichen Augen hat zu Bans Renommee auch nicht beigetragen, dass er zugleich wider alle Evidenz China für seine „konstruktive“ Burma-Politik lobte und den Sicherheitsrat nicht mit der Krise befassen mochte. Aus Sicht der UN-Helfer aber, die frustriert auf ihren Marschbefehl warten und die in Europa ventilierten Vorschläge für humanitäre Interventionen als Hirngespinste erkannt haben, hat Bans Auftritt Sinn ergeben.

Bans zurücknehmende Art

Wo sein Vorgänger Kofi Annan sich möglicherweise als beredter, aber doch ohnmächtiger Vertreter der guten Sache profiliert hätte, setzt der 63 Jahre alte koreanische Karrierediplomat auf Pragmatismus: Je mehr Burma in den UN als politisches und Menschenrechtsthema behandelt wird, desto länger werden die Generäle zögern, in den Nothelfern unparteiische Retter zu sehen.

Ban ist im Januar 2007 nicht trotz, sondern wegen seiner im Vergleich zu Annan zurücknehmenden Art Generalsekretär geworden. Auch dass er nicht wie dessen Vorgänger Boutros Boutros-Ghali den visionären Vordenker gibt, ist zumal den Amerikanern recht. Sie mögen es auch besser als manche Europäer verschmerzen, dass Ban nicht allein in der Burma-Krise den Sicherheitsrat vorsichtig sich selbst überlässt. Versuche des Generalsekretärs, die neu-alten Ost-West-Blockaden im Rat aufzulösen, wären ohnehin zum Scheitern verurteilt. Die in Europa zahlreicher werdenden Kritiker Bans halten ihm allenfalls zugute, dass er sich (und die UN) im günstigen Moment geschickt zurück an die Spitze der Klimaschutzbewegung gestellt habe. Auch in der Lebensmittelkrise hat Ban schnell die entscheidenden UN-Akteure zusammengeführt.

„Warum dieser Mann scheitern wird“

Doch selbst in Washington werden Zweifel geäußert, ob Ban für eine zweite fünfjährige Amtszeit in Frage käme, denn auch innerhalb des UN-Sekretariats erweist er sich als schwacher Führer. Anfängerfehler wie die Vorlage unabgestimmter Reformprojekte wiederholt Ban. Den erfahrenen Peacekeeping-Leiter Guéhenno hat er verprellt. Der Franzose gibt auf, weil er in das von koreanischen Helfern Bans abgeschirmte Machtzentrum in der UN-Zentrale kaum mehr vordrang. Ban, der längst nicht mehr verspricht, sich an Erfolgen in Darfur messen zu lassen, vernachlässigt das Peacekeeping zu einem Zeitpunkt, wo die Missionen immer komplexer und umfangreicher werden.

Mit seiner Frau hat Ban, dessen drei Kinder erwachsen sind, die New Yorker Residenz bezogen. Im Eingangsbereich hat er das gerahmte Titelblatt einer „Newsweek“-Ausgabe vom März 2007 aufgehängt. Es zeigt sein Bild zu der Schlagzeile „Warum dieser Mann scheitern wird“.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche