Lebensmittelkrise

Bush bewilligt Nothilfe

Von Matthias Rüb, Washington

02. Mai 2008 Die amerikanische Regierung will weitere 770 Millionen Dollar Soforthilfe zur Bekämpfung der weltweiten Nahrungskrise bereitstellen. Präsident Bush sagte in der Nacht zum Freitag, er habe den Kongress gebeten, der Freigabe der zusätzlichen Haushaltsmittel zuzustimmen. Es gilt als sicher, dass die im Parlament wie in der Öffentlichkeit begrüßte Maßnahme im Kongress breite Zustimmung findet.

Die Vereinigten Staaten stellen jährlich zwischen 1,6 und 1,7 Milliarden Dollar über ihre Agentur für Internationale Entwicklung (Usaid) für Nahrungsmittelhilfe in aller Welt zu Verfügung. Im April hatte Bush zunächst weitere 200 Millionen Dollar für Lebensmittelhilfen freigegeben. Er rief die anderen Industriestaaten dazu auf, ihre Nahrungsmittelhilfen ebenfalls auszubauen.

Abbau der Handelsschranken

Bush sprach sich auch für einen weiteren Abbau der Handelsschranken aus, um so die Lebensmittelproduktion anzukurbeln und eine Senkung der Lebensmittelpreise zu erreichen. Zumal bio- und gentechnisch behandeltes Saatgut und Nahrungsmittel sollten ihren Weg ohne Hindernisse zu den Anbaugebieten in der Dritten Welt finden, denn solches Getreide sei „sicher sowie resistent gegen Trockenheit und Krankheiten“.

Die stark gestiegenen Lebensmittelpreise haben in Asien, Afrika und der Karibik in vielen Ländern zu teilweise gewaltsamen Protesten geführt. In Haiti stürzte die Regierung nach anhaltenden Unruhen. In all diesen Ländern spielt vor allem der Reispreis eine große Rolle, der sich in diesem Jahr mehr als verdreifacht hat. Der Preisanstieg wurde dadurch verstärkt, dass große Produzenten wie Indien und Vietnam den Export eingeschränkt haben, um die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherzustellen.

Thailand, der größte Reisexporteur der Welt, plant nach Angaben von Agrarminister Somsak Prisnanantakul jedoch keine Ausfuhrbeschränkungen. Der Handelsminister des Landes erwägt aber zur besseren Preiskontrolle die Gründung eines Reis-Kartells nach dem Vorbild der Ölorganisation Opec. Nach Angaben eines thailändischen Regierungssprechers haben Vietnam, Laos, Kambodscha und Burma schon Interesse an dem Vorhaben bekundet.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

 
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