Nach Zyklon in Burma

Rotes Kreuz rechnet mit 128.000 Toten - UN warnen vor „zweiter Todeswelle“

14. Mai 2008 Nach dem verheerenden Zyklon in Birma könnte die Zahl der Todesopfer nach Einschätzung des Roten Kreuzes auf bis zu 128.000 steigen. Bisher war man davon ausgegangen, dass der Zyklon „Nargis“, der am 2. und 3. Mai über Birma hinwegzog, rund 60.000 Tote oder Vermisste in dem südostasiatischen Land hinterließ. Bis zu zwei Millionen Menschen sind teils obdachlos und haben kaum mehr Nahrungsmittel oder Zugang zu frischem Wasser. Die Vereinten Nationen warnten am Mittwoch eindringlich vor einer „zweiten Todeswelle“, wenn die Hilfe für die Menschen im Irrawaddy-Delta nicht in großem Stil beginnen könne.

Unterdessen hatte der britische Premierminister Gordon Brown einen UN-Krisengipfel gefordert. Er soll nach dem Willen Browns das burmesische Militärregime dazu bewegen, internationalen Helfern freien Zugang zu den Opfern des Zyklons zu gestatten. Vor dem britischen Unterhaus in London sagte der britische Premierminister am Mittwoch, er habe UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zur Einberufung einer solchen Konferenz aufgerufen.

„Fehlverhalten eines verachtenswerten Regimes“

„In Burma wurde aus einer Naturkatastrophe durch das Fehlverhalten eines verachtenswerten Regimes ein Desaster von Menschenhand“. Zwar lasse die Militärregierung inzwischen mehr Flugzeuge mit Hilfsgütern ins Land, jedoch reiche dies längst nicht aus.

Das staatliche Radio beziffert die Zahl der Toten auf 38.491. Weitere 27.836 Personen würden vermisst. Zum Wiederaufbau der Landwirtschaft sind laut Militärregierung umgerechnet rund 157 Millionen Euro nötig. Wie die Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation mitteilte, ergab dies ein Treffen der Militärmachthaber mit Vertretern von UN-Hilfsorganisationen und zivilen Gruppen am Dienstag.

Der Zyklon habe fünf landwirtschaftlich geprägte Provinzen getroffen, die mehr als die Hälfte des Reises in Burma produzierten. Dort werde das Geld für Reissamen, Dünger, den Wiederaufbau von Dämmen und Bewässerungsanlagen gebraucht.

Burma bleibt von weiterem Zyklon verschont

Unterdessen sind frühere UN-Angaben, wonach Burma ein zweiter Zyklon drohen könnte, korrigiert worden. Die UN-Organisation für Meteorologie (WMO) teilte mit, der Region drohe kein weiterer Zyklon. Da aber die Monsun-Saison bevorstehe, seien heftige Regenfälle im schwer zerstörten Südwesten des Landes zu erwarten.

Das Warnzentrum in Neu Delhi, das schon vor dem Zyklon „Nargis“ gewarnt hatte, werde das Wetter weiter beobachten. Unter Berufung auf das Sturmwarnzentrum des amerikanischen Verteidigungsministeriums hatte die UN in Bangkok zuvor vor einem neuen Wirbelsturm, der Burma heimsuchten könnte, gewarnt.

Junta fordert 160 Helfer aus Nachbarländern an

Das Militärregime hat 160 Katastrophenhelfer aus den Nachbarländern Bangladesch, China, Indien und Thailand angefordert. Das teilte das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten in Bangkok mit. Die Nachbarländer hatten sich der Kritik an dem Militärregime nicht angeschlossen und gehören zu den wichtigsten Handelspartnern Burmas. Hunderte Helfer der Vereinten Nationen und privater Hilfsorganisationen aus anderen Ländern warten indes weiterhin vergeblich auf Einreisegenehmigungen.

Die Spendenbereitschaft der Deutschen für das vom Zyklon „Nargis“ heimgesuchte Burma ist nach Einschätzung der großen Hilfsorganisationen eher verhalten. Die Aktion Deutschland Hilft (ADH) hat bisher Spenden in Höhe von 250.000 Euro erhalten. Im Dezember 2004, drei Tage nach dem Tsunami, seien schon mehr als 3,6 Millionen Euro auf dem Spendenkonto gewesen, sagte eine ADH-Sprecherin. Auch beim Bündnis Entwicklung Hilft, dem Brot für die Welt, die Deutsche Welthungerhilfe, medico international, Misereor und terre des hommes angehören, blieb der Spendeineingang mit rund 400.000 Euro hinter den Erwartungen zurück. Ähnlich sieht dies das Deutsche Rote Kreuz, das dem Aktionsbündnis Katastrophenhilfe angehört. Dort sind bisher 380.000 Euro eingegangen.



Text: AFP/AP/dpa
Bildmaterial: AFP, dpa

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