Martin Amis: “Die Satire ist tot.“

Literatur

Wissen Sie, wovon Ihr Werk handelt, Mister Amis?

Martin Amis ist Schriftsteller, Literaturredakteur und Universitätsprofessor. Im Interview spricht er über seinen neuen Roman „Haus der Begegnungen“, den Zusammenhang von Terror und Langeweile und die Sozialgeschichte seiner Generation.

Lesermeinungen zum Beitrag

27. September 2008 13:53

Moralische Überlegenheit?

Willibald Papesh (lonetal)

"Man erlaubt keinen Hinweis auf eine moralische Überlegenheit, die aber nun einmal Tatsache ist. Unsere Gesellschaft ist in moralischer Hinsicht viel weiter entwickelt als eine Gesellschaft, in der Leute von einem Mob in Stücke gerissen werden. Woran misst man denn die moralische Evolution einer Gesellschaft, wenn nicht am Kriterium der Gewaltbereitschaft?" Richtig! Aber daraus eine Überlegenheit welchen Westens auch immer abzuleiten, dazu bedarf es schon einer hochtrainierten selektiven Wahrnehmung: 1. Weltkrieg 20 Milliongen Tote, 2. Weltkrieg 50 Millionen Tote und weite Teile Europas in eine Mondlandschaft zurückgebombt; Hiroshima und Nagasaki - an einem Tag 200 Tsd. Tote, und wieviele Hunderttausend fürs Leben unheilbar beschädigt? Der Westen "moralisch überlegen", weil weniger gewaltbereit? Was der Westen bei Gewalt und Brutalität an Vorleisteingen erbracht hat, schafft kein Mob der Welt, so sehr er sich auch bemühen mag und wie "moralisch minderwertig Mister Amis ihn auch nennen möge.

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27. September 2008 03:23

wie es scheint ein Uperclass-Hooligan

Helge Stromberger (Hestro)

Falls das Interview authentisch wider gegeben ist kann man sich die Bücher von dem blasierten Herrn wohl sparen. Seine Regierung attackiert 2003 völkerrechtswidrig den Irak und heizt damit die Tötung von zumindest zehntausenden Menschen an und er versucht einen müden Witz darauf zu machen. Zugleich schreibt er ein Buch über die Abgründe Russlands, Stalin und - 30 Jahre nach Solschenyzin - über den Gulag: "es ist doch offenbar so, dass Russland sein Volk immer schon versklavt hat." Ein Klischee, keineswegs identisch und doch so dumm und uninformiert wie die seinerzeitige Untermenschen-Theorie. Der Proffessor für "creativ writing" räumt ein nie in Russland gewesen zu sein. Leider hat er auch keine russische Geschichte gelesen. Sonst wüßte er nämlich, dass es in den zahlreichen Städten der Rus teils durch das gesamte Mittelalter hindurch eine sehr vitale republikanische Tradition gegeben hat. Das sogenannte "Wetsche", das im Norden Russlands, in Novgorod, erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrunderts unter die Räder des sich entwickelnden moskowiter Absolutismus geraten ist. Ein Absolutismus, der seine spezielle Schärfe auch durch den enormen militärischen Druck von außen (Mongolenherrschaft etc. etc.) bekommen hat.

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