Kommentar

Kochs Frauenfrage

Von Matthias Alexander

01. Februar 2009 Für die Verhältnisse der hessischen CDU war es eine Revolte, die sich zum Wochenende hin anbahnte. Jürgen Banzer wagte es am Freitag, öffentlich daran zu erinnern, dass sein Verbleib an der Spitze des Kultusministeriums die einzige Festlegung Roland Kochs für das nächste Kabinett gewesen sei. Von Dorothea Henzler (FDP) verdrängt zu werden, damit habe er wirklich nicht gerechnet. Und der Landesvorsitzende der Jungen Union forderte, bei der Regierungsbildung auch jüngere Kräfte zu berücksichtigen.

Koch hat es geschafft, den Unmut in den eigenen Reihen über das Ergebnis des Koalitionsvertrags mit der FDP zu dämpfen. Mit einer fulminanten Rede vor dem CDU-Landesausschuss soll er bei den Parteifreunden ein tieferes Verständnis geweckt haben. Offenbar hatten sie über die einjährige Verlängerung ihrer Alleinregierung das Ausmaß der Niederlage im Januar 2008 vergessen. Was den eigenen Stimmenanteil angeht, wurde es vor zwei Wochen bestätigt.

CDU kommt gut weg

Ein Griff zum Taschenrechner hätte schon genügt: Setzt man die 16,2 Prozent Stimmenanteil der FDP zu den 37,2 Prozent der CDU ins Verhältnis, dann kommt die Union mit sieben Ministern plus Ministerpräsident gut weg. Dass mit dem Kultusministerium eines der drei großen Ressorts an die Liberalen fallen musste, folgt aus der Koalitionsmathematik. Innen- und Finanzministerium sind mit Politikern besetzt, die Koch nicht beiseiteschieben kann.

Der Ministerpräsident steht nun vor der Aufgabe, mit den zwei bis drei anstehenden Neuberufungen von CDU-Vertretern ins Kabinett einen ausgewogeneren Proporz nach Region, Geschlecht und Alter herzustellen. Vor allem Frauen- und Generationenfrage stellen sich: Koch und alle bisherigen Minister sind zwischen 1950 und 1958 geboren, mit Ausnahme des wohl scheidenden Landwirtschaftsministers Wilhelm Dietzel (Jahrgang 1948) und von Sozialministerin Silke Lautenschläger (1968), die zugleich einzige Frau in der Riege ist. Demnach darf sich Eva Kühne-Hörmann (geboren 1962) die größten Hoffnungen machen.

Text: F.A.Z.

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