Kommentar

Was der Dom wert ist

Von Stefan Toepfer

11. Juli 2007 Nur wer Häme mag, könnte sagen: Frankfurt neigt zum Größenwahn – sollte die Stadt den Plan, den Dom von der Unesco als Welterbe anerkennen zu lassen, tatsächlich ernsthaft verfolgen. Bisher gibt es dazu noch keinen Stadtverordnetenbeschluss. Doch der dürfte eine Formsache sein, da die Grünen dem entsprechenden CDU-Prüfantrag zustimmen wollen. Größenwahn? Nein, denn der Dom gehört ohne Zweifel zu den kirchlich wie kirchenpolitisch bedeutsamsten Stätten in Deutschland.

Gleichwohl darf bezweifelt werden, dass ein solcher Antrag erfolgreich sein kann. Einerseits hat die Unesco strenge Auswahlkriterien: Ein Welterbe muss wirklich einzigartig und universell bedeutsam sein. Es heißt, es gebe genug Dome mit Welterbe-Status. Außerdem ist die deutsche Vorschlagsliste noch lange nicht abgearbeitet. Die Unesco achtet überdies darauf, auch nichteuropäische Länder zu berücksichtigen.

Bewerbungsverfahren als Minimalerfolg

Andererseits wird die Vorarbeit in Frankfurt nicht leicht werden, denn die historische Begründung des Welterbe-Wunsches muss hieb- und stichfest sein, sonst stünde ein Welterbe-Antrag auf tönernen Füßen. Dabei ist der Dom nicht nur als Wahl- und Krönungskirche von Königen und Kaisern wichtig. Vor allem die Befürworter der Idee im Bistum Limburg wie der Frankfurter Kirchenhistoriker und Pfarrer Matthias Kloft verweisen auf das Frankfurter Konzil Karls des Großen von 794 und dessen eminente Bedeutung für die Kirchen- und Säkulargeschichte in ganz Westeuropa (siehe: Frankfurter Dom als Kandidat für das Weltkulturerbe). Andere Historiker aber messen jener Synode keine große Rolle zu oder warnen davor, deren Wirkung auf die Trennung von Kirche und Staat in den nachfolgenden Jahrhunderten überzuinterpretieren. Zu ihnen gehört etwa der Professor am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte der Frankfurter Universität Johannes Fried. Er meint: „Die Synode war nicht so bedeutend.“

Hier muss Klarheit herrschen. Im November findet im Haus am Dom ein Studientag dazu statt. An ihm nehmen der Kulturdezernent des Bistums Limburg, Eckhard Nordhofen, Matthias Kloft und der Greifswalder Kirchenhistoriker Hans Georg Thümmel teil. Auf Thümmels neueren Forschungsergebnissen zum Frankfurter Konzil fußt die Argumentation des Bistums im Wesentlichen. Es wäre gut, wenn zu dieser Veranstaltung auch Kritiker wie Fried eingeladen würden, damit aus der Debatte neue, tiefere Einsichten erwachsen können.

Vor einer möglichen Bewerbung um die Anerkennung des Doms durch die Unesco ist noch viel zu klären. Trotzdem sollte sich die Frankfurter Stadtpolitik wie die in Wiesbaden der Welterbe-Sache annehmen – nichts zu tun, wie die Koalition in Darmstadt, wäre falsch. Einen Minimalerfolg könnte das Bewerbungsverfahren haben: das historische Erbe, das Frankfurt mit seinem Dom hat, stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Text: F.A.Z.

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