Kommentar

Unfreiwillige Werbehilfe

Jeder Satz über die NPD ist eigentlich ein Satz zu viel. So ehrenwert die Motive des Frankfurter Pfarrers Stoodt und seiner Mitstreiter von der Anti-Nazi-Koordination auch sein mögen: Merken sie nicht, dass sie sich unfreiwillig zu Werbehelfern der NPD machen?

Lesermeinungen zum Beitrag

25. Juni 2007 12:31

Dialog statt Verbote !

Christian Erkelenz (Christian_030)

Warum lässt man sie nicht demonstrieren, das ist ihr gutes Recht? Jedes Jahr gibt es tausende Demos in Deutschland, kein Hahn würde nach ein paar NPD'lern schreien, wenn wir sie nicht bekannt machen würden.

Im Beitrag ist vollkommen zu recht erwähnt worden, daß sich die sogenannten "demokratischen Kräfte" (ich bin bei dieser scheinheiligen Selbstbeweihräucherung sehr vorsichtig geworden) zum Werbekanal der Rechten machen. Man muss die ganze Sache aus Sicht eines potentiellen Wählers sehen:

DIE NPD DEMONSTRIERT SOGAR DANN, WENN IHR DIE 20-FACHE ÜBERMACHT GEGENÜBERSTEHT UND ALLE GEGEN SIE SIND!

Das macht Eindruck, das zeugt von Mut und Kraft. Trotzdem bleiben die rechten Demos alle friedlich, wenn es zu Krawall kommt, dann ausschließlich durch die "Antifaschisten". Das aber erhöht den Respekt der Anhänger noch, da es von Disziplin und Idealismus zeugt.

Es bliebe ein Weg, den sich aber niemand zu gehen traut: Offener, fairer Dialog. Auf Podiumsdiskussionen und im Fernsehen, wie früher mit den Linken. Ich bin kein NPD Anhänger, aber auch ich werde skeptisch, wenn ich statt offenem Dialog nur stumme Feindbilder mit Stiefeln und Glatzen präsentiert bekomme. Wer den Disput verweigert hat meist etwas zu verbergen...

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22. Juni 2007 07:51

Unfreiwillige Gewaltverniedlichung?

Hans Christoph Stoodt (HCStoodt)

Erneut bezichtigt Hans Riebsamen die Anti-Nazi-Koordination der Werbehilfe für die NPD. Nach seiner Logik verständlich, denn, wie er meint, gibt es diese Gruppierung ja eigentlich gar nicht wirklich. Herr Riebsamen ist oder tut ahnungslos, wobei ich nicht entscheiden möchte, was von beidem schlimmer wäre.
Vielleicht kommt er am 7. Juli mal zum Ort des Geschehens an die Neue Börse, anstatt weiterhin den Kopf in den Sand zu stecken. Vielleicht erkundigt er sich in Halberstadt, Gladenbach, Kirtorf, im Schwalm-Eder-Kreis, in Mittelhessen, an der Bergstraße mal nach dem Auftreten und den Gewaltakten real-existerender NPD- und Kameradschaftsnazis. Vielleicht liest er einmal selber den in unglaublichem Maße antisemitischen Demonstrationsaufruf der NPD zum 7. Juli. Vielleicht fragt er einmal die Hinterbliebenen von mindestens 136 Todesopfern rassistischer und faschistischer Gewalt in Deutschland seit 1989, ob sie auch seiner Ansicht sind, daß es in Deutschland und Hessen eigentlich gar keine Nazis gebe. Nazis kann man nicht "wegtolerieren". Man kann sie nur bekämpfen. Oder man muß sie vor sich selbst verniedlichen, wie es Hans Riebsamen wiederholt tut.
Hans Christoph Stoodt,
Anti-Nazi-Koordination

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21. Juni 2007 13:22

Herr Riebsamen hat Recht...

Laurent Klein (Eastbelgian)

...denn undemokratische Parteien straft man am Besten indem man ihnen keine Beachtung schenkt. Wenn traditionelle Parteien (in Deutschland also CDU, SPD, FDP,...) ein menschenfreundlicheres und etwas protektionistischeres Programm hätten, wie etwa die UMP von Sarkozy in Frankreich, wäre der NPD jegliche Existenzgrundlage genommen. Der Beweis in Frankreich: Die FN, eine traditionell sehr starke rechtsextreme Partei, hat nunmehr kein Anrecht mehr auf staatliche Finanzierung. Und überhaupt, der Franzose geht viel pragmatischer mit Extremismus um: niemand stellt dort die Existenz links- und rechtsextremer Parteien in Frage. Sollte man auch nicht, wenn man tatsächlich demokratisch denkt. In Belgien ist es auch so, dass die Rechtsextremen bei jedem Verbotsversuch stärker werden, weil die demokratischen Parteien Tabus ganz einfach nicht anschneiden, obwohl das längst überfâllig ist.

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