31. Januar 2008 Dass Raucher lasterhafte Wesen sind, ist ja nun hinlänglich bekannt, macht sie aber doch auch wieder sympathisch. Vielleicht kommt es deshalb neuerdings zu so vielen netten Begegnungen unter den Heizpilzen vor den Kneipen, wohin sich die Geächteten flüchten müssen. Äußerst unschön ist allerdings, dass die armen Wirte – vom Rauchverbot ohnehin nicht gerade beglückt – nun offenbar auch noch häufig um die Zeche geprellt werden, weil die Gäste nur schnell zum Rauchen vor die Türe gehen und dann verschwinden.
Kein Wunder also, dass man in so manche Bar oder Kneipe ohne Mitgliedsausweis inzwischen gar nicht mehr hineinkommt. Denn die Lokale sind jetzt alle Clubs, in die nur hinein darf, wer dazu gehört. Und in einer solchen geschlossenen Gesellschaft wird munter und legal gequalmt. Diese Clubs werden übrigens auch von Nichtrauchern gern frequentiert, denn die umgeben sich halt auch gern mit toleranten, sympathischen Menschen.
Vielleicht gibt es deshalb auch unter den Fastnachtern so viele Nikotinanhänger. Bei den Sitzungen klagt man in diesen Tagen jedenfalls heftig über das Rauchverbot. Nicht nur, dass Gäste an den Tischen ebenso wie Funktionäre im Präsidium immer wieder für Zigarettenpausen verschwinden – so manchem Fastnachter vertreibt die Aussicht, eine Sitzung ohne Kippe in der Hand verbringen zu müssen, gänzlich den Spaß. Schließlich kann man sich ja auch daheim vor dem Fernseher die Narrenkappe aufsetzen und mitschunkeln. Wem das zu einsam ist, der holt den Biertisch aus dem Garten und lädt die Nachbarn ein. Und dann kann gefeiert werden, bis die Aschenbecher überquellen.
Ob die Politik das wirklich gewollt hat? Dass Raucher, statt gemütlich im Café oder in der Kneipe zu paffen, nun daheim die Familie zum Passivrauchen zwingen? Solange es nicht illegal ist, dass eine Kindergärtnerin mit Zigarette in der Hand eine Gruppe von Zweijährigen zum Spielplatz führt oder Kinder auf der Rückbank des Autos geräuchert werden, wird man den Eindruck nicht los, das rigorose Rauchverbot in der Gastronomie sei allein der Lobbyarbeit der Pizza-Bringdienste geschuldet.
Wer die Menschheit und vor allem Kinder grundsätzlich vor Rauch schützen will, der müsste wohl den Tabakverkauf gleich ganz verbieten. Aber so närrisch ist dann wohl doch niemand.
Text: F.A.Z.
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