Von Katharina Iskandar
14. Februar 2008 Es gibt Geschichten, die klingen unglaublich. Und trotzdem sind sie wahr. Die Geschichte eines Fahrgastes zum Beispiel, bei dem es sich zufällig um einen prominenten Grünen-Politiker aus dem Römer handelt. Er stieg spät am Abend in ein Taxi, wollte von der Innenstadt ins Gallusviertel gefahren werden. Nach etwa zwanzig Minuten brach er die Fahrt ab – weil der Fahrer stur in die entgegengesetzte Richtung gefahren war. Oder die Geschichte einer jungen Frau, die ihr Fahrtziel persönlich ins Navigationsgerät tippen musste, weil der Taxifahrer weder wusste, wo die betreffende Straße liegt, noch, wie sie geschrieben wird.
Das sind sicherlich besonders krasse Fälle von Inkompetenz. Doch fast jeder, der in Frankfurt Taxi fährt, erlebt zumindest gelegentlich bei manchen Fahrern eine Orientierungsschwäche, die es früher nicht gab. Der Wunsch der Taxi-Vereinigung nach höheren Tarifen wirkt vor diesem Hintergrund vermessen. Zumal Frankfurt bei den Gebühren schon heute an der Spitze in Deutschland liegt.
Stadtrat will Beschwerdetelefon
Insofern ist es richtig, wenn die Politik beim Taxigewerbe nach dem Rechten schaut. Es ist ein gutes Zeichen, wenn nicht nur der Fahrpreis, sondern auch die Qualität der Fahrleistung unter die Lupe genommen wird. Der Geschäftsführer der Taxi-Vereinigung, Thomas Schmidt, moniert selbst, dass Lizenzen oft zu leichtfertig“ vergeben würden. Angehende Fahrer müssten zwar einen Test in Ortskunde ablegen, dieser bestehe aber aus Multiple-Choice-Fragen, die jeder Mensch auswendig lernen könne. Hinterher weiß er immer noch nicht, wo Bornheim oder Sachsenhausen liegt.“
Der Vorschlag von Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP), ein Beschwerdetelefon einzurichten, um gegen schwarze Schafe vorzugehen, geht in die richtige Richtung. Denn eine Gebührenerhöhung, da sind sich die Politiker einig, kann nur dann mit gutem Gewissen genehmigt werden, wenn auch die Leistung stimmt. Taxifahren darf kein teurer Abenteuertrip sein. Vor allem nicht in einer Stadt wie Frankfurt, die nicht zuletzt von den zahlreichen Geschäftsreisenden lebt. Im Gegensatz zu den einheimischen Fahrgästen sind die in der Regel nämlich hilflos, wenn der Taxifahrer sein Kerngeschäft nicht mehr versteht. Und so etwas kratzt sehr schnell am Ruf einer Stadt.
Text: F.A.Z.