02. Mai 2007 Nach Fulda nun Weiterstadt: Der Arzneimittel-Versender Doc Morris hat einen zweiten Kooperationspartner in Hessen gefunden und damit seinen Fuß in den Apothekenmarkt im Rhein-Main-Gebiet gesetzt. Dieser Schritt wird den noch recht trägen Apothekenmarkt beleben, aber nicht auf den Kopf stellen.
Doc Morris, beheimatet in der Welt des Internet, lebt bisher von dem Ruf des Rebells, der den Markt aufmischen will. Diesem Ziel dient die Niedrigpreisstrategie. Doch obwohl Doc Morris rund 800 000 Kunden in der Kartei hat - der Marktanteil ist überschaubar, kam der Versandhandel bei Medikamenten 2006 auf 0,8 Prozent des Umsatzes bei Arzneimitteln in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten kommt der seit 30 Jahren aktive Versandhandel auf sechs Prozent. Das mag auch daran liegen, dass viele Arzneimittel nicht auf Vorrat gekauft werden. Vor diesem Hintergrund geht Doc Morris mit der Zusage, bei rezeptfreien Mitteln um bis zu 30 Prozent billiger zu sein als Mitbewerber, in den traditionellen Markt.
Bonus-Punkte und Listen mit Sonderangeboten
Diese Strategie fordert Apotheker heraus. Viele wählen den entgegengesetzten Weg wie Doc Morris, um der Konkurrenz zu begegnen. Sie bieten selbst den Postversand an. Bisher darf fast ein Fünftel der hessischen Apotheker Arzneimittel verschicken. Ein weiteres Mittel, es mit dem Rebell aus dem Internet aufzunehmen, ist der Preiswettbewerb auf dem traditionellen Terrain. So geben Einzelkämpfer regelmäßig Faltblätter heraus, in denen sie verbilligte rezeptfreie Arzneimittel auflisten. Andere bevorzugen Linda: Diesem Verbund gehören etwa 100 Apotheker in der Region an, bei denen Patienten geldwerte Bonus-Punkte sammeln können.
Doc Morris kann sich gewiss auf die Fahnen schreiben, solche Entwicklungen mit provoziert zu haben. Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit der Preis entscheidend ist. Wer kalkuliert und vergleicht schon aufwendig Endpreise, wenn die Nase läuft oder der Magen rebelliert?
Text: F.A.Z.
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