28. Juli 2008 Es gab vor vielen Jahren einmal zwei Freunde. Sie gingen zusammen zur Schule, und die Fügungen des Lebens sorgten dafür, dass die beiden sich etliche Jahre später auch beruflich sehr nahe-standen: Der eine, Monsignore Walter Adlhoch, war der oberste Katholik Frankfurts, der andere, Ernst Schäfer, war als Vorsitzender des Regionalverbands der erste Mann der Protestanten. Die beiden Freunde formulierten einen Satz, der weder sprachlich elegant noch theologisch tiefgründig war. Dafür aber bestand er aus hundert Prozent gutem Willen. Dieser einfache Satz hieß: Alles, was wir zusammen machen können, machen wir zusammen.“
Wieder ein paar Jahre später bekamen die Katholiken einen neuen Bischof. Am 20. Januar 2008 wurde Franz-Peter Tebartz-van Elst in sein Amt eingeführt. Am 24. Juli machte er seinen Antrittsbesuch beim evangelischen Kirchenpräsidenten Peter Steinacker. Es dauerte also ein halbes Jahr, bis die Spitzen der beiden christlichen Kirchen zusammenfanden. Ökumenische Begeisterung sieht anders aus.
Suche nach der Gemeinsamkeit der Christen
Am Ende des Treffens der Kirchenmänner, die sich gut unterhalten haben sollen, gab es eine Erklärung, eine Art Kommuniqué zum Strammstehen. Der Wortklang ist etwas für diplomatische Feinschmecker, denn der Protestant hoffte auf einen andauernden, angeregten und brüderlichen ökumenischen Dialog in Klarheit und Respekt gerade da, wo beide Kirchen aus ihrer eigenen Tradition jeweils auch unterschiedliche Positionen vertreten müssen“. Der Katholik aber betonte die Notwendigkeit einer inhaltlichen theologischen wie geistlichen Vergewisserung der je eigenen kirchlichen Überlieferung als Voraussetzung für einen ehrlichen ökumenischen Dialog“. Im Klartext: Der katholische Bischof geht auf Distanz zur Ökumene.
Und ein gewisses Verständnis mag dafür aufbringen, wer wie Tebartz-van Elst gemerkt hat, dass die katholische Kirche längst aufgehört hat, Volkskirche, Massenveranstaltung und gelebte Selbstverständlichkeit zu sein – da braucht sie in der Tat jene Vergewisserung, die jede Minderheit stärker macht. Aber muss solche Rückbesinnung auf eigene Identität damit verbunden sein, anderen die kalte Schulter zu zeigen?
Christen, die weder Theologen noch Kirchendiplomaten sind, mögen die seltsam statuarische Erklärung des Bischofs für spitzfindig halten. Ihnen wäre die Suche nach der Gemeinsamkeit der Christen gewiss lieber. Auch wenn sie vielleicht etwas schlicht und pragmatisch klingt: Alles, was wir zusammen machen können, machen wir zusammen.“
Text: F.A.Z.
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