Von Sascha Zoske
03. März 2008 Wenn ein Akademiker mit Mitte dreißig 3400 Euro brutto im Monat verdient, ist das nicht menschenunwürdig. Besonders motivierend aber auch nicht. Die Vergütung in der Einsteigerklasse ist ein Mangel der W-Besoldung, die an den Hochschulen nach und nach das alte C-System ersetzt. Wem der Nachwuchs lieb ist, dem müsste er auch teuer sein, und wenn schon das Grundgehalt nicht allzu üppig ausfallen kann, dann sollten besonders engagierten Jungprofessoren zumindest Zulagen gewährt werden.
Denn gegen das Leistungsprinzip, das in der W-Welt gilt, ist wenig einzuwenden. Dass Hochschullehrer mit den Jahren automatisch besser werden, wie es die Dienstaltersstufen in der C-Besoldung suggerieren, muss nicht stimmen. Im neuen System können die Verdienste eines Lehrstuhlinhabers mit dem, was er verdient, besser in Einklang gebracht werden.
Davon sind augenscheinlich auch die hiesigen Uni-Präsidenten überzeugt. Allzu kritische Äußerungen über das Gehaltsmodell, mit dem sie um fähige Gelehrte werben müssen, sind von ihnen naturgemäß nicht zu erwarten. Doch ein Mann wie Rudolf Steinberg, der so vehement nach Exzellenz strebt, würde wohl schon vernehmlich klagen, hielte er die W-Besoldung für einen schweren Wettbewerbsnachteil. Guten Leuten können die Universitäten dank der Leistungszulagen immer noch gute Angebote machen - wenn auch niemals so luxuriöse wie Großkonzerne.
Dafür kann eine Hochschule ihren Forschern einen Lohn gewähren, der in einem Unternehmen viel schwerer auszuhandeln ist: die Freiheit, Wege zu gehen, die nicht direkt zu verwertbarem Nutzen führen. Diese Freiheit kann durch allzu starre Zielvorgaben bedroht werden - das ist der zweite Schwachpunkt des W-Systems. Nicht alle Leistungen eines Professors sind in Einheiten wie Drittmittelbudget, Publikationszahl oder Vorlesungsstunden messbar. Vereinbarungen über das, was erreicht werden soll, sind oft sinnvoll, können aber auch einengend wirken. Wenn eine Universität einem neuberufenen Geisteswissenschaftler gestattet, ohne Dreijahresplan seiner Arbeit nachzugehen, spricht das dafür, dass diese Erkenntnis beherzigt wird.
Text: F.A.Z., 03.03.2008, Nr. 53 / Seite 41
Hunderttausende fliehen vor Hurrikan ![]()
Kaukasus-Krise: Moskau warnt den Westen vor Sanktionen
Kommt es zu Rot-Grün unter Duldung der Linksfraktion?