Kommentar

Guter Start ohne Flügelschlagen

Von Tobias Rösmann

17. März 2008 Es ist erst zwei Jahre her, da galt ein anderer Politiker als Kronprinz der Frankfurter CDU. Er hieß Uwe Becker und war Fraktionsvorsitzender. Viele trauten ihm damals zu, in der Partei und irgendwann auch im Magistrat als Oberbürgermeister an der Spitze zu stehen. Doch dann kehrte Boris Rhein, Landtagsabgeordneter in Wiesbaden, auf die Frankfurter Bühne zurück. Und er ging seine neue Aufgabe als Sicherheitsdezernent derart dynamisch und geschickt an, dass er sich mehr und mehr in den Vordergrund spielte.

Dass er seit Samstag nun Parteichef ist, kommt den meisten schon so logisch vor, dass die 91,1 Prozent an Zustimmung, die er bekommen hat, fast ein bisschen mager wirken. Gegenkandidaten? Keine. Rhein wird beweisen müssen, ob er die 3350 Parteimitglieder tatsächlich führen kann: Die Frankfurter CDU ist heterogen wie kaum ein anderes politisches Gebilde. Da mag der hessische Europa-Abgeordnete Thomas Mann noch so inbrünstig das Bild der beiden Flügel bemühen, die ein Adler schließlich auch benötige, um zu fliegen. Der neue Vorsitzende gehört, anders als sein Vorgänger Udo Corts, eindeutig einem dieser Flügel an: der wirtschaftsnahen Mittelstandsvereinigung. Gut möglich, dass der linkere Arbeitnehmerflügel nun öfter und stärker flattern wird.

Einen guten Start hat Rhein aber schon einmal hingelegt. Glaubwürdig schien er den Delegierten zu sein, engagiert und voller Energie. Dass er zudem Corts, der zehneinhalb Jahre im Amt gewesen war, für den Ehrenvorsitz der Partei vorschlug, war klug. Jetzt steht er auch noch als ein Mann da, der Respekt und Dankbarkeit zu zeigen in der Lage ist. Gleichzeitig bindet er seinen Amtsvorgänger auf eine Art an die Partei, die der gar nicht ablehnen konnte. Corts selbst bewies Stil mit einer kleinen Geste: Direkt nach der Wahl tauschte er sein Namensschild gegen das von Rhein aus, damit der auf der Bühne fortan in der Mitte sitzen konnte.

Bei einem Satz aber musste man genau hinhören. Da behauptete Rhein nämlich, Uwe Becker - als Kämmerer ebenfalls in einer starken Position - sei für ihn kein ewiger Konkurrent. Das mag stimmen. Aber knapp fünf Jahre bis zur Oberbürgermeisterwahl sind ja auch keine Ewigkeit.



Text: F.A.Z., 17.03.2008, Nr. 65 / Seite 41

 
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