Kommentar

Die Ökonomisierung der Ökologie

Von Manfred Köhler

01. Mai 2008 Ein bisschen früher müssen die Herren Wirtschaftsvertreter schon aufstehen, wenn sie in der energiepolitischen Debatte punkten wollen. Dass derzeit die Verfechter eines radikalen Ausbaus der regenerativen Energien Oberwasser haben, liegt keineswegs nur daran, dass seit ein, zwei Jahren alle Welt vom Klimawandel redet, sondern auch an den detaillierten Konzepten, an denen lange genug gefeilt wurde.

Wie schwer es ist, dagegen zu halten, musste die hessische CDU im Wahlkampf erleben, jüngst auch die Union in Mainz, die schließlich beim Kohlekraftwerk umfiel. Das sollte den Kammern wie auch den Unternehmerverbänden eine Lehre sein, wenn sie nun endlich in Erinnerung rufen, dass es nicht nur um Umweltschutz, sondern auch um Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit geht. Mit allgemein gehaltenen Forderungen wie der nach einer Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken ist es nicht mehr getan, wie auch in diesen Kreisen womöglich mühsam erarbeitete Bekenntnisse über den Sinn von Solaranlagen anderswo nur noch gähnend aufgenommen werden. Die Sachkunde der Wirtschaft ist vielmehr dabei gefragt, den entscheidenden Schwachpunkt des ökologischen Umbaus auszumerzen – dass getan wird, als spiele Geld keine Rolle.

Denn natürlich sind die Mittel dafür endlich, soll die Volkswirtschaft nicht einknicken. Es muss also darum gehen, mit einem bestimmten Betrag möglichst viel Energie aus regenerativen Quellen zu erzeugen – eine Frage, um die man sich kaum gekümmert hat angesichts der Subventionen, die dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes über diese Branche ausgegossen werden. Es geht dabei um solch nüchterne Fragen wie jene, wo Wind- und Solarenergie am effektivsten erzeugt werden kann (vielleicht doch eher in der windigen Nordsee und am sonnigen Mittelmeer als im Taunus?), und mehr noch, welche dieser Technologien als erste ohne Subventionen auszukommen vermag. Diese Ökonomisierung der Ökologie ist überfällig. Es ist harte Arbeit, gewiss, aber hier könnten sich Wirtschaftsverbände verdient machen. Mit allgemeinen Bekenntnissen hingegen, wie sie zuletzt geboten wurden, ist es nicht getan.



Text: F.A.Z.

 

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