Von Markus Schug
11. Juni 2008 Im Kampf gegen die Kohle hat die Mainzer CDU jetzt noch einmal kräftig nachgelegt: Ihr von Grünen und ÖDP/Freien Wählern bejubelter Vorstoß, das ungeliebte Kraftwerk auf der Ingelheimer Aue mittels eines von der Stadt aufzustellenden Bebauungsplans zu Fall zu bringen, hat beste Aussichten auf eine Mehrheit im Stadtrat. Damit scheinen die Unionsstrategen endlich das passende Instrument gefunden zu haben, um die bisher widerspenstigen Vorstände von Stadtwerken und Kraftwerk im Namen der Bürger in die Knie zu zwingen.
Die Kohle-Gegner lassen sich dabei offenbar selbst von den aktuellen Meldungen über explodierende Gaspreise nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Doch sollte es ihnen keinesfalls nur darum gehen, die vermeintliche Dreckschleuder auf der Ingelheimer Aue zu verhindern. Viel wichtiger wäre die Beantwortung der Frage, wie die kommunale Stromversorgung aussehen soll, falls die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG von 2012 an auf dem nur von einer Handvoll Anbietern kontrollierten Weltmarkt kein Kraftwerksgas mehr zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen kaufen könnte.
mmm
Der CDU wäre in diesem Fall eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke recht; die Grünen, die das Abschalten der Atomanlagen auf Bundesebene einst mit beschlossen haben, vertrauen dagegen voller Optimismus auf regenerative Energiequellen und dezentrale Kraftwerke. Auf den von Schwarz-Grün-Grün in Mainz ausgerufenen Kreuzzug gegen die Kohle hat offensichtlich nicht einmal das Freiburger Öko-Institut einen mäßigenden Einfluss, das bei einem von den Stadtwerken Kiel in Auftrag gegebenen Energieträger-Vergleich derzeit den Bau moderner 800-Megawatt-Kohleanlagen für durchaus vertretbar hält.
Auch in Mainz wären die Parteien gut beraten, die Energiefrage sachlich zu diskutieren. Doch in der von einer kleinen Gruppe in die Kohle-Konfrontation getriebenen Union sind nur wenige und leise Stimmchen zu hören, die sich bei diesem komplexen Thema einen Runden Tisch vorstellen könnten. Dafür wäre es höchste Zeit: Immerhin geht es bei dem 1,2-Milliarden-Euro-Projekt um die größte Einzelinvestition, die in der Stadt jemals zur Debatte stand.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Marcus Kaufhold