Der Kommentar

Reform im Stillen

Von Sascha Zoske

29. Dezember 2008 Man stelle sich vor, die Frankfurter Universität ist eine Stiftung – und kaum einer merkt es. Ein Jahr, nachdem Hessens größte Hochschule ihren Rechtsstatus geändert hat, ist davon im Alltagsbetrieb so gut wie nichts zu spüren. Und nur eine Minderheit der Studenten dürfte erklären können, was der Begriff „Stiftungsuniversität“ bedeutet. Etliche werden wohl vermuten, die Uni heiße so, weil sie so viele Stifter gewonnen habe. Einige mögen sogar glauben, Hörsäle und Labors seien nun in privater Hand, und sämtliche Professoren erhielten ihr Salär von Siemens oder der Deutschen Bank. Dass all dies nicht stimmt, dass die Universität nun aber Eigentümerin ihrer Liegenschaften ist und mit ihren Dozenten frei über Gehälter verhandeln darf, wird selbst manchem Vollakademiker noch neu sein.

Misslungen ist die maßgeblich vom scheidenden Präsidenten Rudolf Steinberg ins Werk gesetzte Reform deswegen aber nicht. Zu ihrem Wesen gehört, dass sie ihre Wirkung zunächst im Stillen und mit Verzögerung entfaltet. Wie hoch die Bezüge sind, die Spitzenforscher in Frankfurt bekommen, darüber spricht der Uni-Kanzler nicht, aber angesichts einiger bemerkenswerter Berufungen in den vergangenen Monaten ist zu vermuten, dass die Goethe-Universität nun zumindest in Einzelfällen mit europäischen und sogar amerikanischen Eliteinstituten konkurrieren kann. Von wissenschaftlich erstklassigen Professoren sollte wiederum die Lehre profitieren, aber auch dieser Effekt wird erst nach einer Weile erkennbar sein.

Bis dahin gilt es, bei Studenten und Mitarbeitern noch immer vorhandenes Misstrauen abzubauen. Der Zeitpunkt dafür ist jetzt günstig: Nach anfänglicher Unruhe hat der Personalrat zumindest grundsätzlich seinen Frieden mit dem Modell gemacht, und der AStA, der immer wieder vor einem vermeintlichen Einfluss der Wirtschaft auf Forschung und Lehre warnt, lässt inzwischen wenigstens die Bereitschaft zum Gespräch mit dem Präsidium erkennen. Steinbergs Nachfolger Werner Müller-Esterl sollte daher das neue Jahr mit einer Dialog-Offensive beginnen – und so dafür sorgen, dass sich bald mehr Menschen beim Stichwort „Stiftungsuniversität“ ebenso Richtiges wie Erfreuliches vorstellen.

Text: F.A.Z.

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