Von Peter Lückemeier
05. Mai 2008 Theoretisch. Die Möglichkeit bestünde immer noch. Zwar wird die SPD-Abgeordnete Dagmar Metzger nicht von ihrer Willenserklärung abrücken, keiner Ministerpräsidentin ihre Stimme zu schenken, die sich von der Linkspartei wählen ließe. Aber auf die Mehrheit der 110 Stimmen im Landtag käme ein linkes Bündnis noch immer, denn 42 minus eins (SPD) plus 9 (Grüne) plus 6 (Linke) ergäbe 56, das wäre zwar die denkbar knappste Variante, würde aber reichen. Die Frage, ob es klug wäre, ein solches Wagnis einzugehen oder am Ende als die Heide Simonis von Hessen in die Fußnoten der Geschichte einzugehen, steht auf einem anderen Blatt. Aber Andrea Ypsilanti, die Doppelverliererin, die ihre Glaubwürdigkeit aufgab und dafür dann doch nicht mit der Macht belohnt ward, sie ließ am Wochenende jedenfalls durchblicken, einen neuerlichen Anlauf für eine Regierungsbildung wolle sie nicht mehr ausschließen. Ist das interessant?
Nicht sonderlich. Weitaus spannender ist die Reaktion von jener Seite, von der Ypsilanti einen Teil ihrer Mehrheit bekommen müsste, von den Grünen. Die reagierten geradezu herablassend auf Ypsilanti. Die hatte nämlich ihr Werben in dem säuerlichen Unterton vorgetragen, die Grünen müssten aufpassen, ihre Programmatik nicht zu verwässern. Da scholl es prompt zurück, von einer Partei, die den Regierungswechsel leichtfertig verspielt habe, brauche man keine Belehrung.
Wunderbar. Es tut sich etwas bei der Wiesbadener Brautwerbung, alle Seismographen freuen sich da über die kleinste Bewegung. Die CDU in der Rolle des demütigen Galans wird das Zeigen der kalten Schulter mit Wohlgefallen registriert haben. Wie im Buhlen um die Braut im richtigen Leben ist es auch in der Politik hochwillkommen, wenn das Objekt der Begierde am bisherigen Favoriten erste Mängel erkennt. Und äußert. Da lässt sich nachfassen. Eine "Jamaika"-Formation ist damit noch nicht in greifbare Nähe gerückt, sie liegt aber auch nicht mehr so fern. Auch eine Reise von vielen Kilometern beginnt mit kleinen Schritten.
Text: F.A.Z.
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Kommt es zu Rot-Grün unter Duldung der Linksfraktion?