Kommentar

Keine schlechte Idee

Von Werner D’Inka

19. Juli 2008 Jetzt sind es wieder fünf. Rudolf Steinberg, der Präsident der Goethe-Universität, bringt einen möglichen Standort für das Museum der Weltkulturen ins Spiel, der schon halb aus dem Rennen schien. Zwar hatte der Stadtplaner Jochem Jourdan schon im vergangenen Jahr einen Neubau neben dem Senckenberg-Museum angeregt, darum war es zuletzt aber still geworden.

Zählen wir die Varianten durch. Nummer eins: Erweiterung am jetzigen Standort am Museumsufer. Nummer zwei: das „Sudfass“-Areal. Nummer drei: eine Brache östlich der Großmarkthalle. Nummer vier: die Mole im Offenbacher Hafen. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) hatte schon früh seine Präferenz für die erste Variante erkennen lassen. Auch die SPD wäre dafür zu haben. Weil die Grünen und Teile der CDU dagegen sind, ist aber höchst fraglich, ob es dazu kommt. Gegen die anderen Standorte spricht die – mal mehr, mal weniger – große Entfernung vom Ensemble des Museumsufers. Unter diesem Aspekt käme am ehesten das Sudfass-Gelände in Betracht, dessen Besitzer allerdings Preisvorstellungen hat, die die Stadt für „ambitioniert“ bis unannehmbar hält.

Sammlung von Weltrang muss zur Geltung kommen

Auch gegen Steinbergs Vorschlag spricht die Entfernung vom Museumsufer. Allerdings hätte die Nachbarschaft zum Senckenberg-Museum durchaus ihren Reiz. Die Verbindung zwischen dem „Haus der Natur“ und einem „Haus der Kultur“ ist mehr als nur eine metaphorische Spielerei. Da die Grundstücke auf dem Campus Bockenheim noch dem Land gehören, wäre ein Neubau an dieser Stelle auch eine Probe aufs Exempel, was Frankfurt dem Land wert ist.

Deutlicher als andere sagt Steinberg, dass es, wo immer der Neubau stehen wird, nicht damit getan sein wird, Schrumpfköpfe in Vitrinen auszustellen. Das bringt jedes halbwegs ordentlich ausgestattete Völkerkundemuseum zustande. Frankfurt hingegen kann alle Register ziehen. Die Sammlung des Museums für Weltkulturen hat Weltrang, sie muss in einem neuen Haus zusammengebracht werden mit dem Markenkern der Stadt, ihrer Internationalität. Ein „Haus der Weltkulturen“ so zu denken, dass dereinst auch über Frankfurt gesagt werden kann: „Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“, darin liegt die Stärke von Steinbergs Vorschlag. Der Stadt tut es ohnehin gut, wenn jemand groß von ihr denkt.



Text: F.A.Z.

 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche