Kommentar

Kohle statt Gas

Von Manfred Köhler

14. Mai 2008 Es hat seine Gründe, wenn derzeit landauf, landab Kohlekraftwerke geplant werden und nicht solche, die mit Erdgas betrieben werden. Die Nachricht der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden, auch mit einer neuerlichen Rundfrage in der Branche habe sich niemand gefunden, der für das Vorhaben auf der Ingelheimer Aue Erdgas in zureichender Menge und zu akzeptablen Bedingungen liefere, kommt insofern nicht überraschend. Die Märkte für Erdgas und Kohle sind grundverschieden; Gas wird nur in wenigen Ländern gefördert, die eine entsprechende Macht haben, Kohle lässt sich in einer Vielzahl von Staaten ordern.

Natürlich lassen sich Ausnahmen finden. So hat der niederländische Energieversorger Nuon angekündigt, in Frankfurt-Griesheim ein mit Erdgas befeuertes Kraftwerk mittlerer Größe zu errichten. In der Branche wird gerätselt, woher er das Erdgas bekommt, aber vielleicht hat Nuon schon vor Zeiten, in einer anderen Marktlage, einen Liefervertrag abgeschlossen.

Aufgeregte Diskussionen

Auch die Mainova hat sich an einem Gas-und-Dampf-Kraftwerk beteiligt, das vor kurzen im bayerischen Irsching fertiggestellt wurde. Doch wenn es jetzt noch so einfach wäre, an geeignete Lieferverträge zu kommen, hätten längst weitere Energieversorger bei ihren Kraftwerksplänen von Kohle auf Erdgas gewechselt. Denn auch anderswo machen Bürgerinitiativen gegen die Kohle mobil.

In Mainz ist die Trennung zwischen dem, was Kommunalpolitiker angeht, und dem, womit sich die Manager öffentlicher Unternehmen zu befassen haben, schon lange gefallen. Lieferverträge fallen ohne Zweifel in die Kompetenz der Manager, und Politiker sollten darauf vertrauen, dass ein von ihnen eingesetzter Vorstand sein Geschäft versteht. Das gilt auch für die Prüfung des Angebots, das die Mainzer nun doch erhalten haben und gegen das das Management der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden gewichtige Einwände vorbringen kann.

Etwas mehr Gelassenheit täte auch in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt gut. In der Energiepolitik gilt dort, was auch zu den nicht minder aufgeregten Diskussionen in der hessischen Landespolitik über die Stromversorgung zu sagen ist: Es möchte vielleicht jeder Politiker glauben, dass von ihm Wohl und Wehe der Welt abhängen. Aber das ist nicht so.



Text: F.A.Z.

 

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