Kommentar

Volkstheater für alle

Von Michael Hierholzer

26. Februar 2008 Besser hätte es nicht kommen können. Mit Michael Quast als künftigem künstlerischen Leiter des Frankfurter Volkstheaters hat diese Bühne alle Möglichkeiten, aus ihrem Nischendasein herauszutreten und demnächst wieder nicht nur im Rhein-Main-Gebiet, sondern weit darüber hinaus für Furore zu sorgen. Beim Festival „Barock am Main“, das Quast zusammen mit Wolfgang Deichsel und anderen Mitstreitern binnen kurzer Zeit zum Erfolg geführt hat, vereinen sich Mundart und Moderne, Komisches und Klassisches, Lachnummern und Literatur aufs trefflichste.

Der „hessische Molière“, der seit 2005 allsommerlich im Höchster Bolongaro-Garten geboten wird, wirkt gar nicht verstaubt, sondern ausgesprochen zeitgenössisch, auch wenn er mit dem gegenwärtigen Regietheater, das die Autoren gelegentlich bis zur Unkenntlichkeit entstellt, rein gar nichts zu tun hat. Vielmehr nehmen die Akteure das Dichterwort ernst. Und ziehen damit ein großes Publikum aller Altersklassen an. Der „hessische Molière“ kann nun als Modell für das Haus im Großen Hirschgraben dienen.

Anknüpfung an das „literarische Volkstheater“

In den letzten Jahren war das Volkstheater in eine finanzielle und ästhetische Schieflage geraten. Die Auswahl der Stücke mag dazu beigetragen haben, dass der Publikumsandrang nicht mehr so groß war wie in früheren Jahren. Die Schwierigkeiten waren jedoch auch grundsätzlicher Art: Mit dem Tod der Theatergründerin Liesel Christ 1996 hatte die Bühne ihre tragende Gestalt verloren, die dank ihres Charismas selbst Menschen anzog, denen das südhessische Naturell nicht ganz geheuer ist.

Wenn Quast jetzt an das „literarische Volkstheater“ anknüpfen will, das die einstige Prinzipalin 1971 bei der Eröffnung des Volkstheaters gefordert hatte, geht es tatsächlich „zurück in die Zukunft“, wie Kulturdezernent Felix Semmelroth formulierte. Dazu gehört auch, sich wieder vermehrt Schriftstellern zuzuwenden, die sich der Mundart befleißigen, um damit Gefühlslagen zum Ausdruck zu bringen, die sich im Hochdeutschen so nicht artikulieren lassen. Friedrich und Adolf Stoltze, aber auch Carl Balthasar Malß werden zu Unrecht nur noch selten gespielt. Und Deichsel ist gewiss einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren, die den Dialekt nutzen. Dem Volk aufs Maul schauen, ihm aber nicht nach dem Mund reden: Solch ein Theater hat Zukunft. Und das Potential, neue Unterhaltungsmaßstäbe weit jenseits aller billigen Klamotten zu setzen.



Text: F.A.Z.

 

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