03. März 2009 holl./süss. WIESBADEN/BERLIN, 3. März. Der Fraktions- und Landesvorsitzende der hessischen Grünen, Tarek Al-Wazir, wird vorerst nicht in die Bundespolitik wechseln und nicht für den Bundestag kandidieren. "Ich habe mich nicht gegen Berlin, sondern für Hessen entschieden", sagte Al-Wazir am Dienstag in Wiesbaden. Seine Entscheidung habe er "sehr sorgfältig abgewogen" und dabei "viele Leute um Rat gefragt". Neben bundes- und landespolitischen Erwägungen habe auch die Situation seiner Familie eine wichtige Rolle gespielt. Er habe sich die Frage gestellt, ob seiner Familie nach zwei Landtagswahlen ein dritter Wahlkampf mit anschließendem Umzug in die Hauptstadt zuzumuten sei. Der 38 Jahre alte, in Offenbach lebende Grünen-Politiker hat zwei kleine Kinder, darunter einen acht Monate alten Sohn.
Der Bundesvorsitzende der Grünen, Özdemir, sagte, er bedauere Al-Wazirs Entscheidung. Er hatte sich zuvor für einen Wechsel Al-Wazirs nach Berlin ausgesprochen. Es sei gut, dass "Koch mit Tarek einen starken Gegenspieler hat". Verhaltener reagierte die Fraktionsvorsitzende Renate Künast in Berlin. Sie sagte, Al-Wazir habe sich entschieden - "gut, nun ist es so". Man brauche "gute Grüne in den Ländern".
Al-Wazir sagte, er sei "sehr davon überzeugt, dass meine Entscheidung richtig ist". Es sei zwar auch eine "Kopfentscheidung" gewesen, "aber der Bauch muss auch mitgehen". Zudem sei er für die Grünen in Hessen wichtiger als auf Bundesebene. "Wir haben als Grüne große Aufgaben in Hessen vor uns." Wegen der andauernden "Selbstbeschäftigung" der SPD müssten die Grünen als "Wählerauftrag" die "Oppositionsführerschaft" übernehmen. Die Legislaturperiode werde trotz der deutlichen Regierungsmehrheit von CDU und FDP spannender werden als von manchen gedacht. Die von Roland Koch geführte CDU erlebe wieder einen "Rückfall in alte Wahrheits- und Mehrheitsallüren". Doch in der Union machten sich schon manche ihre Gedanken darüber, "dass man zweimal hintereinander viele Stimmen verloren hat, obwohl sogar bei der zweiten Landtagswahl die andere Volkspartei ein Debakel erlebte." Zu den Spekulationen, dass Ministerpräsident Koch der Landespolitik den Rücken kehren und Minister in Berlin oder EU-Kommissar in Brüssel werden könnte, sagte Al-Wazir: "Was den Koch angeht: Der ist ja in der umgekehrten Situation wie ich. Er macht das Fenster auf, aber es ruft niemand nach ihm." Al-Wazir schloss nicht aus, zu einem späteren Zeitpunkt in die Bundespolitik zu wechseln: "Was in vier Jahren ist, weiß ich nicht." Der CDU-Fraktionsvorsitzende Christean Wagner äußerte "Respekt" für die "Entscheidung, die Familie über mögliche berufliche Perspektiven in Berlin" zu stellen: "Ohne Zweifel ist die Entscheidung von Herrn Al-Wazir, in Hessen zu bleiben, ein Gewinn für die hessischen Grünen." (Siehe Rhein-Main-Zeitung.)
Text: F.A.Z.
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