Von Matthias Trautsch
16. Mai 2008 Für die frühere Kultusministerin Karin Wolff (CDU) müsste es eigentlich eine Genugtuung sein. So schlimm ist die verkürzte Gymnasialzeit wohl doch nicht, wenn die Schüler trotz lautstark beklagten G8-Stresses an die Gymnasien drängen. Seit Jahren steigen die Zahlen, Container auf Pausenhöfen künden vielerorts von der Überbelegung.
Nun gibt es in Frankfurt so viele Anmeldungen, dass nicht alle Kinder den gewünschten Platz im Gymnasium bekommen. Am anderen Ende des Bildungssystems ist die Lage umgekehrt: Auf die Hauptschule will kaum noch jemand sein Kind schicken. Deshalb können einige Hauptschulen keine fünfte Klasse mehr bilden. Ob es diese Schulen in einigen Jahren noch gibt, ist fraglich.
Weniger Leistungsdruck an Integrierten Gesamtschulen
Zwei Zahlen verdeutlichen die Situation: 2286 Anmeldungen an Gymnasien stehen in Frankfurt 150 an Hauptschulen gegenüber. Auf einen Hauptschüler kommen somit 15 Gymnasiasten. Sind die Kinder so schlau geworden? Vermutlich nicht. Aber die Eltern glauben, dass nur noch das Abitur eine Zukunftsperspektive bietet. Damit stehen sie nicht allein: Auch in der Wirtschaft genießen die übrigen Abschlüsse kaum noch Wertschätzung.
Das Staatliche Schulamt und die Stadt als Schulträger müssen darauf reagieren. Die Stadt tut das zum einen, indem sie ein neues Gymnasium baut und Dependancen in leerstehenden Hauptschulen einrichten will. Zum anderen geht die Römerkoalition das Problem auch grundsätzlich an.
Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen) hat ein zweigliedriges Schulwesen vor Augen, das aus Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen besteht. Letztere erfreuen sich ähnlich großer Beliebtheit wie erstere. Die Gesamtschüler stehen aber unter einem geringeren Leistungsdruck, sie haben mehr Raum, sich zu entwickeln. Und auch sie können, wenn sie gut genug sind, Abitur machen – ganz ohne G8-Stress in neun Jahren.
Text: F.A.Z.
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