Kommentar

Schweigen kann sich keiner leisten

Von Jochen Remmert

13. Juni 2008 Natürlich werden der Flughafenbetreiber Fraport AG und die Anrainerkommunen weiter miteinander reden, auch wenn das Regionale Dialogforum nun nach acht Jahren seine Arbeit beendet. Sie haben gar keine andere Wahl. Die kommunalen Vertreter nicht, weil sie längst nicht alles erreicht haben, was sie an Lärmschutz und Kompensation für die Bürger der Städte und Gemeinden rund um den Flughafen erstreiten wollten. Sie wissen, dass das allein auf dem Klageweg nicht zu erreichen sein wird.

Dem Flughafenbetreiber Fraport muss ebenso an der Fortsetzung des Dialogs gelegen sein – schon allein deshalb, weil die großen Anteilseigner, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt, es aus politischen Gründen nicht riskieren können, eine Mauer des Schweigens zwischen dem bedeutendsten Luftverkehrsdrehkreuz Deutschlands und den umliegenden Städten und Gemeinden entstehen zu lassen. Auf Konfrontationskurs mit den Anrainern wird der Flughafen auf Dauer nicht wachsen können. Ein solcher ist allerdings auch vom stellvertretenden Vorstandschef Stefan Schulte nicht zu erwarten, der seit dem Ausscheiden von Manfred Schölch bei Fraport für den Ausbau zuständig ist. Er hat sich ausdrücklich dazu bekannt, das Wachstumsinteresse von Fraport mit dem Wunsch der Bevölkerung nach Lärmminderung in Übereinstimmung bringen zu wollen.

Schulte hat dabei allerdings eine erhebliche Skepsis zu überwinden. Die Noten für Fraport, was das bisherige Engagement für Lärmschutz und Kompensation angeht, fielen gestern bei der Zusammenkunft der kommunalen Vertreter im Dialogforum ausgesprochen schlecht aus. Dass im Planfeststellungsbeschluss nun doch nicht das im Zuge der Mediation vereinbarte Nachtflugverbot enthalten ist, erbost die Kommunalpolitiker ganz besonders. Immerhin legten sie gestern trotzdem ein Konzept vor, wie man den vor acht Jahren institutionalisierten Dialog fortführen und zu konkreten Ergebnissen führen könnte. Sie werden also weiter miteinander reden – Flughafen und Anrainer können gar nicht anders.



Text: F.A.Z.

 

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