07. August 2006 Sie können einem schon leid tun, die armen Raucher. Schon lange werden ihre Freiräume immer weiter eingeschränkt. Zuerst waren es nur die Flugzeuge, dann fast die ganzen Flughäfen, inzwischen geht es ihnen auch beim Bahnfahren kaum besser, auf Bahnhöfen werden sie ebenso in beschränkte Zonen verwiesen wie in Abteilen und Großraumwagen. Nun soll es auch bald in den Bord-Bistros der Bahnen nicht mehr qualmen. In gewöhnlichen Gaststätten allerdings wird man sich auch weiterhin die Zigarette zum Bier oder zum Kaffee anzünden dürfen, freilich wohl nicht mehr überall - recht so.
Bis zum Sommer 2008 sollen neun von zehn gastronomischen Betrieben die Hälfte ihrer Plätze für Nichtraucher reservieren. So will es eine Selbstverpflichtung der Wirte. Ein guter Kompromiß für alle - wenn er denn wirklich erreicht wird. Der wirtschaftliche Druck wird helfen, denn auch die Gastronomen merken immer öfter, daß viele Gäste verrauchte Kneipen nicht mögen.
Die Lobby der Nichtraucher aber ist damit offenbar nicht zufrieden. Eine fraktionsübergreifende Gruppe im Bundestag will nicht bis zum Ende der Frist warten und mit der Begründung, das Service-Personal schützen zu müssen, schon jetzt weitreichende Verbote für die Gastronomie durchsetzen. Das sieht nach purem Aktionismus und Sommertheater aus.
Rauchende Mediziner
Sinnvoller erscheinen da schon Rauchverbote auf dem Gelände von Kliniken, wie sie in Frankfurt im Gespräch sind - allerdings auch nur auf den ersten Blick. Den Patienten täte es vielleicht ganz gut, wenn sie zumindest eine Weile auf den Qualm verzichten müßten. Ob man allerdings den Ärzten und Schwestern bei ihren Endlosdiensten auch noch Nikotinentzug zumuten sollte, ist fragwürdig. Lieber läßt man ihnen ihre Raucherzimmer für die Zigarettenpause.
Denn es kann ja wohl nicht die Lösung sein, daß rauchende Mediziner künftig wie Schüler, Lehrer oder Kindergartenmitarbeiter paffend die Gehsteige säumen. Konsequenterweise müßte man dann wohl gleich auch noch dort das Rauchen verbieten. Doch wie soll das gehen, wenn man sich bei den Kommunen schon nicht in der Lage sieht, auf dem abgeschlossenen Terrain von Freibädern das Verstreuen von Kippen zu untersagen?
Sicher ist es sinnvoll, Menschen an möglichst vielen Orten vor dem Mit-Rauchen zu schützen. Wer aber schützt Kinder davor, als Embryonen schon an Nikotin gewöhnt zu werden oder in verrauchten Autos und Wohnungen zu sitzen? Hier wachsen die künftigen Tabaksüchtigen heran. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, braucht es mehr als laute Forderungen und ein paar rauchfreie Orte.
Text: F.A.Z., 08.08.2006
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