Von Caren Braun
24. November 2009 Vor drei Wochen starb ein fünfzehn Jahre altes Mädchen aus Gießen an der Schweinegrippe, am Freitagabend eine Achtjährige aus Mainz – beide bis zu ihrer Infektion mit dem H1N1-Virus gesunde Kinder. Von den inzwischen 43 Opfern in Deutschland waren neun Teenager.
Jeder neue Todesfall schürt unter Eltern nicht nur die Angst vor der Ansteckung mit der Schweinegrippe. Viele misstrauen ebenso der Impfung mit dem im Eilverfahren entwickelten Serum Pandemrix, das Wirkstoffverstärker und Konservierungsmittel enthält. Die warnende Massen-E-Mail einer Frankfurter Alternativmedizinerin, gegen die Kollegen inzwischen ein Verfahren der Landesärztekammer eingeleitet haben, wiegt offenbar ähnlich schwer wie Stellungnahmen der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch- und die des Paul-Ehrlich-Instituts sowie die Empfehlung des Verbands der Kinderärzte für die Impfung.
Todesfälle nach Impfung
Die Pandemie wird sich nicht mehr aufhalten lassen, auch wenn die Bevölkerung den Aufrufen der Experten folgt. Den Höhepunkt der Erkrankungswelle prognostizieren Infektiologen erst für die nächsten Monate. Das individuelle Risiko einer Erkrankung und damit auch das eines schweren Verlaufs, sei dies auch noch so gering, kann dagegen jeder Einzelne senken. Denn je nach Alter und Gesundheitszustand schützt die Spritze bis zu 90 Prozent der Behandelten vor der Erkrankung, jüngere besser als alte.
Weltweit sind nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation inzwischen 65 Millionen Menschen gegen die Schweinegrippe geimpft. In keinem in zeitlicher Nähe zur Impfung eingetretenen Todesfall konnte ein direkter Zusammenhang mit der Impfung nachgewiesen werden, bei dem verstorbenen Thüringer genauso wenig wie bei den oft zitierten fünf Fällen aus Schweden.
Meist relativ harmlos
Sicher ist nur, dass viele Geimpfte über Schmerzen oder eine Schwellung an der Einstichstelle, kurzzeitiges Fieber oder Kopf- und Gliederschmerzen klagen. Bei den meisten Erkrankten verläuft die Schweinegrippe relativ harmlos, häufig sogar nicht schlimmer als ein Schnupfen. Was vorzuziehen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Familien der Mädchen aus Gießen und Mainz haben diese Chance nicht mehr.
Text: F.A.Z.