Von Uwe Marx
18. Juni 2008 Es gibt einige hundert Spieler in der Fußball-Bundesliga, und fast jeder hat einen Berater. Insofern ist die Nachricht, dass sich der griechische Eintracht-Profi Sotirios Kyrgiakos von seinem Geschäftspartner Paul Koutsoliakos getrennt hat – oder umgekehrt – nicht der Rede wert. Interessant wird die Personalie durch ihre Begründung und die möglichen Konsequenzen.
Koutsoliakos ließ sinngemäß wissen, der nicht nur fußballerisch knorrige Verteidiger sei mehr oder weniger beratungsresistent und träume von einem großen europäischen Klub und Spielen in der Champions League. Nun sind die Auftritte von Kyrgiakos bei der Europameisterschaft nicht gerade dazu angetan, die englischen, spanischen oder italienischen Wunschvereine Schlange stehen zu lassen. Griechenland ist ausgeschieden, und Kyrgiakos ist im Kollektiv der Gescheiterten nicht positiv aufgefallen.
Gut möglich also, dass er jetzt, nach seinem schon angekündigten Abschied aus Frankfurt, auf dem Transfermarkt deutlich weniger begehrt ist als von ihm erwartet. Und dass er bald nichts mehr davon wissen will, Eintracht Frankfurt nach zwei erfolgreichen Jahren unbedingt zu verlassen – natürlich in der Erwartung, anderswo deutlich mehr zu verdienen und wenn möglich ein stattliches Handgeld einzustreichen. Schließlich ist er ablösefrei zu haben, sein Vertrag läuft in wenigen Tagen aus. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein großspuriger Möchtegernronaldo reumütig zurückkehrt und dort um einen Vertrag bittet, wo er eben noch partout nicht bleiben wollte.
Genug verlässliche Abwehrspieler
Bei aller physischen Präsenz des hünenhaften Abwehrspielers war ihm eine gedankliche Abwesenheit in den vergangenen zwei Jahren immer wieder anzumerken. Kyrgiakos war da, ohne so richtig angekommen zu sein. Seine Zeit in Frankfurt war auch so etwas wie die Chronik eines angekündigten Abschieds. Deshalb wäre es konsequent, wenn die Verantwortlichen der Eintracht alle Türen verschlossen hielten, die der Grieche selbst zugeschlagen hat.
Eine Verlängerung der Verbindung zwischen der Eintracht und Kyrgiakos sollte tabu sein, sonst wäre die gerne formulierte Forderung nach charakterfesten Spielern, die zum Verein passen und sich mit diesem identifizieren sollen, nichts als hohles Gerede. Die Eintracht kann sich diese Haltung erlauben. Sie hat mit Russ, Vasoski, Galindo und der fußballerischen Allzweckwaffe Chris verlässliche Spieler für die vakante Position im Abwehrzentrum. Kyrgiakos darf sich natürlich von wem auch immer wo auch immer anbieten lassen. Frankfurt allerdings sollte nicht mehr dazugehören.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS