Kommentar

Sieger Frankfurt

Von Sascha Zoske

19. Oktober 2007 Wie sehr die Goethe-Universität ihre Geisteswissenschaftler liebt und hegt, beteuert Rudolf Steinberg immer wieder gerne. Am Freitag gegen 14 Uhr dürfte des Präsidenten Wertschätzung für Historiker, Philosophen und Politologen noch einmal sprunghaft gestiegen sein: Mit ihrem Erfolg bei der Exzellenzinitiative haben die Initiatoren des Forschungsvorhabens „Normative Ordnungen“ bewiesen, dass sie ebenso wie Chemiker und Mediziner in der Lage sind, stattliche Drittmittelsummen für ihre Arbeit einzuwerben. Und sie haben mit dafür gesorgt, dass Steinbergs Hochschule vom 1,9-Milliarden-Jackpot so viel abbekommt wie keine andere hessische Universität.

Der Zuschlag für das Frankfurter Projekt ist das erfreulichste Ergebnis der nun beendeten zweiten Wettbewerbsrunde. Zufriedenheitsbekundungen kamen aber auch aus Darmstadt und Mainz. Die TU erweist sich mit einem Exzellenzcluster und einer Graduiertenschule nun immerhin als würdig, den Titel „Modellhochschule“ zu tragen. Und die Gutenberg-Universität darf sich dank ihrer Materialwissenschaftler wenigstens jenen überlegen fühlen, die bei der Verteilung des Geldsegens leer ausgegangen sind. In Hessen sind das die Universitäten Kassel und Marburg.

Imagegewinn für alle Beteiligten

Selbstverständlich folgt aus diesen Niederlagen nicht, dass an den betreffenden Hochschulen künftig keine erstklassige Forschung mehr möglich sein wird. Doch so kritikwürdig manche Details des Wettstreits auch sein mögen: Ein Sieg bringt neben der finanziellen Förderung einen Imagegewinn ein, von dem nicht nur die unmittelbar Beteiligten profitieren. Fachbereiche, die ein strahlendes „Exzellenz-Team“ präsentieren können, werden es leichter haben, gute Professoren und Studenten anzuwerben – für die Verlierer gilt das Umgekehrte.

Der größte denkbare Prestigezuwachs bleibt den Universitäten der Rhein-Main-Region allerdings bis auf weiteres verwehrt: Mit ihren Anträgen für die besonders üppig honorierten „Zukunftskonzepte“ sind sie allesamt gescheitert. Immerhin erfüllt die Technische Universität Darmstadt mit ihrem Doppelerfolg nun formal die Voraussetzungen, in einem denkbaren dritten Durchgang des Wettbewerbs zur „Elite-Uni“ aufzusteigen. Für die TU und ihren neuen Präsidenten wäre das eine schöne Gelegenheit zu beweisen, dass sie der starken Frankfurter Konkurrenz Paroli bieten können.

Text: F.A.Z.

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