Von Lisa Uphoff
23. Januar 2007 Politik ist die Kunst der kleinen Schritte, aber auch für sie gilt: Der erste Schritt zeigt die Richtung an. Deshalb hätte man von Kultusministerin Karin Wolff (CDU) schon gerne gewusst: Wie soll in einer sich immer schneller wandelnden Gesellschaft die Schule der Zukunft aussehen? Wie weit und für wen soll sie sich öffnen? Wie viel Selbständigkeit braucht eine erfolgreiche Schule, die die Jugendlichen optimal auf die Berufswelt vorbereitet? Diese für den Bestand von Schule und damit für die nächste Generation existentiellen Fragen sind leider nicht hinreichend geklärt, wie sich zunächst bei der Unterrichtsgarantie plus“ zeigte und sich jetzt auch bei der Diskussion um das Programm 50 plus“ andeutet.
Dass autonome Schulen wegen ihrer Individualität und Flexibilität das Erfolgsmodell der nächsten Jahre sind, weiß man nicht erst seit den Pisa-Untersuchungen. Darum wagt Frau Wolff erste, allerdings nur kleine und zögerliche Schritte in Richtung selbständige und eigenverantwortliche Schule. So dürfen sich Schulleiter neue Kollegen in einem bestimmten Umfang inzwischen selbst aussuchen.
Fachleute nicht als Lückenbüßer einsetzen
Andererseits gibt die Ministerin mit der Unterrichtsgarantie plus“ aber ein Vertretungskonzept vor, das viele Schulen, wären sie wirklich eigenverantwortlich, vielleicht besser und effizienter – vor allem aber auf ihre Bedürfnisse abgestimmt – organisiert hätten. Das Gleiche gilt für 50 plus“. Viele Schulen kennen die Vorzüge erfahrener, also älterer Praktiker, die leistungsschwache Schüler von der Schul- an die Werkbank ziehen könnten. Etliche Schulen haben derartige Fachleute bereits engagiert oder arbeiten eng mit ihnen zusammen.
Nur: Die Schulen möchten sich die Zusammenarbeit und die Personen selbst aussuchen, nicht zugewiesen bekommen. Auch wenn die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wieder einmal das Ausbluten des Lehrerberufs heraufbeschwört, gibt es doch keinen vernünftigen Zweifel daran, dass Handwerker und andere Fachleute in die Schule gehören – allerdings nicht als Lückenbüßer für fehlendes pädagogisches Fachpersonal.
Kontinuität heißt das Zauberwort
Und es darf nicht nach dem Motto Heute hier, morgen da“ verfahren werden. Nur zu gern hätten Schulen einen Schulassistenten, der Lehrern nichtpädagogische Arbeiten abnimmt. Allein was passiert nach den 18 Monaten der geförderten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung“? Müssen Lehrer den Kopierer dann wieder selbst reparieren, da an einigen Frankfurter Schulen nicht einmal ein fester Hausmeister zu finden ist und Schulleiter zu Beginn des Schuljahres erst einmal den Wischmopp schwingen müssen? Kontinuität“ heißt hier das Zauberwort, das die reformgeschüttelten Schulen Hessens ohnehin schmerzlich vermissen.
Hat sich die Ministerin aber endgültig für die Jahrhundertreform Selbständige Schule“ entschieden, muss sie den Weg dahin mutig, selbstbewusst und mit großen Schritten gehen.
Text: F.A.Z.
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